Team D boykottiert Eröffnung

von Redaktion

Überraschende Kehrtwende bei den Paralympics – und Zoff um Geld

Verbandspräsident: Hans-Jörg Michels. © DOSB

Nur formal gleichgestellt: Die Teilnehmer an den Paralympics (s. Logo rechts) fühlen sich unterbezahlt. © dpa / A. Medichini

Mailand – Kein Team D bei der Eröffnungsfeier – auch der Deutsche Behindertensportverband und die Sportministerin ziehen nun ihre Konsequenzen: Die deutsche Mannschaft und die Politik werden die feierliche Zeremonie zum Auftakt der Paralympischen Winterspiele boykottieren und damit ein deutliches Zeichen des Protests gegen die Zulassung von Athleten aus Russland und Belarus unter eigener Flagge zeigen. Wie der Verband mitteilte, werde das Team D wie einige andere Nationen keine Sportler und Offizielle ins Amphitheater von Verona entsenden.

Diese Entscheidung diene „sowohl der Konzentration auf die bevorstehenden Wettkämpfe als auch dem Anliegen, die solidarische Haltung gegenüber der ukrainischen Delegation respektvoll zum Ausdruck zu bringen“, schrieb der DBS. Ein Sprecher kündigte vor diesem Hintergrund auch das Fernbleiben der Sportstaatsministerin Christiane Schenderlein von der Eröffnungsfeier am Freitag an. Die Zulassung von Russen und Belarussen unter eigener Flagge weiche „von der Linie des Internationalen Olympischen Komitees ab, hinter die sich die Bundesregierung gestellt hat“, so der Sprecher. Man teile die internationale Kritik.

Einen kompletten deutschen Boykott der Eröffnungsfeier bedeuten die Maßnahmen allerdings nicht. An den im Vorfeld an den verschiedenen Austragungsorten aufgezeichneten Aufnahmen, die während der Zeremonie im Stadion und Fernsehbild eingeblendet werden, werde das Team Deutschland Paralympics „wie vorgesehen teilnehmen“. Mit diesen Maßnahmen verbindet die deutsche Mannschaft „sportliche Fokussierung mit einer eindeutig wertebasierten Position“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Zuletzt hatte der Verbandspräsident noch einen Boykott abgelehnt. Davon halte er „nichts“, hatte Hans-Jörg Michels gesagt.

Drei Tage vor dem Start der Winterspiele haben zudem fast 200 Para-Sportler in einem gemeinsamen Statement eine Verbesserung der Förderung gefordert. „Mit dieser Erklärung wenden wir uns an das Bundeskanzleramt und den Deutschen Bundestag“, hieß es in der von Athleten Deutschland verbreiteten Mitteilung: „Wir fordern, die individuelle Para-Athletenförderung ab 2027 zur Finanzierung von mindestens 200 Plätzen zu erhöhen – zweckgebunden und mehrjährig abgesichert.“ Dies sei „ein sofort wirksamer und finanzierbarer Schritt – für sportlichen Erfolg und gesellschaftliche Rendite“.DPA

Artikel 6 von 11