„Alles nur Gerede!“

von Redaktion

Löwen-Coach Kauczinski schärft die Sinne und ruft das Ziel „fünfter Sieg in Serie“ aus

Die Löwen-Fans vernebelten die Sicht zusätzlich – das führte fast zum Abbruch. © SIMON/Imago

Der Goalgetter behält im nebligen Giesing den Durchblick: 1860-Stürmer Sigurd Haugen (Nr. 22) bei seinem 2:1-Siegtreffer gegen Erzgebirge Aue. © Gamel/kolbert-press

München – Seit Jahren schwebt er über Giesing: der große Traum von der Rückkehr in die Zweite Bundesliga. So auch in diesen ersten Frühlingstagen. Die Löwen sind nach vier Siegen in Folge bis auf drei Punkte an den Aufstiegsrelegationsplatz herangekommen – so lautet der finale Tabellenstand nach den Drittligapartien, die noch am Mittwochabend stattfanden. Neben dem Platz haben die Sechzger ihre Hausaufgaben in Sachen „möglicher Zweitliga-Aufstieg“ übrigens bereits erledigt. Nach Informationen unserer Zeitung hat der Club die Lizenz-Unterlagen für die Dritte Liga, die Regionalliga Bayern sowie für die Zweite Bundesliga fristgerecht eingereicht.

1860-Trainer Markus Kauczinski hat zu viel erlebt in seiner langen Fußball-Karriere, um sich von derartigen Momentaufnahmen blenden zu lassen. Die Devise des 56-Jährigen ist klar: Träumen ja – aber mit Köpfchen! „Diese Träumereien müssen in etwas münden. An die Wand zu schauen und zu erzählen, wie toll das alles wäre, bringt nichts. Du musst arbeiten“, betonte Kauczinski auf der PK am Mittwoch. Anders als seine Kollegen Daniel Brinkmann (Rostock) oder Timo Schultz (Osnabrück) hält der Löwen-Coach wenig davon, den Aufstieg öffentlich als Ziel zu formulieren: „Es gibt Mannschaften, die bessere Voraussetzungen haben als wir, nämlich mehr Punkte. Ich weiß nicht, was in vier oder sechs Wochen ist. Das ist alles nur Gerede.“

Apropos Reden: Zu viel mehr bleibt Kauczinski mit seinem Team in dieser englischen Woche keine Zeit. Bereits morgen Abend (19 Uhr) müssen die Löwen im Sportpark Höhenberg bei Viktoria Köln ran. Regenerieren statt trainieren, heißt es in den 70 Stunden zwischen dem Abpfiff gegen Aue (2:1) und dem Anpfiff in der Domstadt. Ob alle Mann rechtzeitig fit werden, vermag Kauczinski bisher nicht abzuschätzen: „Es wird mit Sicherheit Veränderungen in der Startelf geben. Kevin Volland und Sigurd Haugen zum Beispiel haben jetzt drei Spiele innerhalb kurzer Zeit bestritten. Da müssen wir sehen, was sie noch im Tank haben.“ Ausgeruht und top motiviert dürften in jedem Fall Philipp Maier und David Philipp sein, die beide nach abgesessener Gelbsperre wieder in den Kader zurückkehren.

Viel hatte im Übrigen nicht gefehlt, dass zum ohnehin schon eng getakteten Spielplan auch noch Nachholminuten gegen Aue hinzugekommen wären. Zur Halbzeit zogen dichte Nebelschwaden ins Grünwalder. Die Sicht wurde nach Wiederanpfiff schlechter und schlechter, sodass Schiedsrichter Tom Bauer die Mannschaften in der 54. Minute schließlich in die Kabine schickte. Die anschließende Pyroshow der Westkurve vernebelte die Kultstätte noch mehr.

Bauer erklärte danach bei MagentaSport: „Wir haben einen Richtwert von 30 Minuten, bis es besser werden muss.“ Zum Glück für die mit 2:1 führenden Löwen hatte der Wettergott ein Einsehen und veränderte die Sichtverhältnisse von „katastrophal“ auf „schwierig“. Das reichte, um das Spiel zu Ende zu bringen.

Vor den mutig spielenden Kölnern warnt Kauczinski: „Es gefällt mir richtig gut, wie Köln spielt. Sie haben viele gefährliche Leute mit Tempo.“ Dennoch können sich die mindestens 1600 Gästefans (die aufgrund des Streiks der Kölner Verkehrsbetriebe eine längere Anreise einplanen müssen) auf eine selbstbewusste Löwenmannschaft freuen. Raphael Schifferl brachte es nach dem Sieg über Aue auf den Punkt: „Wir wollen den Lauf so lange reiten, wie es nur geht.“MARCO BLANCO UCLES

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