Zwei schmerzhafte Niederlagen hintereinander: Der Neuer-Trainer-Effekt ist bei Real Madrid schnell verpufft, Coach Álvaro Arbeloa steht in der Kritik. © Soriano/afp
Madrid – Läuft es bei einem Fußballverein nicht so wie gewünscht, ist der Schuldige in den meisten Fällen relativ schnell in der Figur des Trainers gefunden. Dass derartige Maßnahmen aber in den meisten Fällen nicht die gewünschte Besserung herbeiführen, lässt sich dieser Tage ausgezeichnet am Beispiel Real Madrid aufzeigen. Unter Neu-Trainer Álvaro Arbeloa setzte es zuletzt zwei Ligapleiten in Serie gegen Osasuna (1:2) und Getafe (0:1), aus einem Zwei-Punkte-Vorsprung auf den FC Barcelona ist im Titelrennen ein Vier-Punkte-Rückstand geworden – exakt die Tabellenkonstellation, die zu Xabi Alonsos Entlassung Mitte Januar führte. Real bleibt ein Pulverfass, das just vor den entscheidenden Wochen der Saison zu detonieren droht.
Denn: Ab Freitag entscheiden zwölf Tage über das Wohl und Wehe des weißen Balletts. Übermorgen steht zunächst die knifflige Auswärtsfahrt zu Celta Vigo an, der dem 15-fachen Champions-League-Sieger bereits in der Hinrunde eine schmerzhafte 0:2-Niederlage zufügte und die Madridistas – die ohne Jude Bellingham, Álvaro Carreras, Dean Huijsen, Franco Mastantuono und Kylian Mbappé anreisen – nach vier Siegen in Folge mit entsprechend breiter Brust empfängt. Fünf Tage später geht es im Achtelfinalhinspiel der Königsklasse gegen Manchester City (!) aufs Ganze, das Rückspiel auf der Insel steigt eine Woche später am 17. März. Drei Endspiele, insbesondere für den Mann an der Seitenlinie.
Denn der Arbeloa-Effekt ist offensichtlich verpufft. Lediglich Dribbelprimadonna Vinícius Júnior schien unter dem neuen Coach wieder aufzublühen, bei der Pleite gegen Getafe wurde er jedoch bezeichnenderweise dabei beobachtet, wie er die Schuld nach einer gescheiterten Aktion bei den seiner Meinung nach zu lauten Fans suchte.
Der Rest ist mit Blick auf Reals Selbstverständnis höchst surreal: Die fußballerischen Mittel waren und bleiben spätestens seit den Abschieden von Toni Kroos und Luka Modrić begrenzt, weshalb Arbeloa ganz im Stile seines Mentors José Mourinho den Erfolg in der viel zitierten Körperlichkeit sucht. Die Folge: eine vogelwilde Schlussphase gegen Getafe, bei der sich Mastantuono einen Platzverweis abholte. Bei Antonio Rüdiger brannten ebenfalls (mal wieder) die Sicherungen durch, was sich dieses Mal in einem Kniestoß ins Gesicht von Getafes Diego Rico äußerte – Rot sah der deutsche Nationalspieler dafür aber überraschenderweise nicht.
Ebenfalls überraschend wäre, wenn Arbeloa kommende Saison weiterhin auf der Trainerbank des Estadio Santiago Bernabéu Platz nehmen dürfte. Sein einziger Rettungsanker, da sind sich die Experten in der spanischen Hauptstadt einig, wäre ein Durchmarsch in der Champions League. „Man verfolgte einen Imagewechsel, sowohl spielerisch als auch körperlich, und war überzeugt davon, dass der neue Mann auf der Trainerbank der Mannschaft neues Leben einhauchen würde“, so die spanische Sportzeitung „AS“. „Nun ist jedoch klar, dass der Trainer das nicht geschafft und die Mannschaft verloren hat.“ Den passenden Nachfolger habe das Machtkonglomerat um Präsident Florentino Pérez auch schon ausfindig gemacht: Jürgen Klopp. Ob der aktuelle Fußball-Boss von Red Bull dem Lockruf der Königlichen widerstehen kann, bleibt abzuwarten…JOSÉ CARLOS MENZEL LÓPEZ