ZUM TAGE

Ein Armutszeugnis für den Sportjournalismus

von Redaktion

Fabrizio Romano und die Saudis

Wenn man nicht genau hingeschaut hätte, hätte man denken können, dass hier gerade ein Transfer verkündet wird: In üblicher Pose setzte sich Fabrizio Romano am Dienstag vor die Handykamera und nahm eines jener Videos auf, die ihm weltweite Bekanntheit brachten. Normalerweise verkündet der sogenannte Transferjournalist darin nämlich Wechsel oder Vertragsverlängerungen, bevor sie offiziell werden.

Dieses Mal sprach Romano aber nicht über anstehende Abgänge, sondern über die „führende humanitäre Rolle“ Saudi-Arabiens. Kein Witz: In dem bezahlten Video geht es 2:14 Minuten lang um Hilfsprojekte der saudischen Regierung, für Erwähnungen der Menschenrechtsverletzungen oder fehlender Frauen- und Schwulenrechte war leider keine Zeit mehr. Here we go!

Nun ist der Clip immerhin mit dem Hashtag „#ad“ versehen, was ihn als Werbevideo kennzeichnet. Das macht seine Signalwirkung für den Sportjournalismus aber nicht weniger dramatisch. Schon länger ist in diesem Feld nämlich ein Kampf um die Erstveröffentlichung von Meldungen entstanden, der Abhängigkeiten bewusst in Kauf nimmt. So fiel Romano immer wieder damit auf, vermeintlich unbedeutende Spieler vor seinen 42 Millionen Instagram- und 27 Millionen X-Followern ausschweifend zu loben – wohl im Tauschhandel mit der Berateragentur des jeweiligen Spielers, die ihm dafür Infos bei prominenteren Klienten verschafft.

Informationen im Tausch für Lob oder ausbleibende Kritik: Auf diese Weise verwechselte Romano bereits zuvor echten Journalismus mit PR-Management. Nun aber ausgerechnet Werbung für König Salman und die saudische Regierung zu machen, die zudem im Verdacht steht, den Journalisten Jamal Khashoggi ermordet haben zu lassen, ist ein besonders harter Schlag ins Gesicht aller Kolleginnen und Kollegen.

Immerhin zeigt er aber die Relevanz echter journalistischer Standards und Redaktionen, die Themen unabhängig und kritisch einordnen – und sich dabei nicht einfach von Regierungen kaufen lassen.

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