Melborune – Gäbe es einen Titel für die heilste Welt vor dem ersten Rennen, er müsste in diesem Jahr wohl an Ferrari gehen. Charles Leclerc heiratete unmittelbar vor der langen Reise nach Melbourne seine Verlobte Alexandra Saint Mleux, schickte romantische Bilder um die Welt. Und Lewis Hamilton hat über den Winter mal eben sein wahres Ich wieder gefunden.
„Für einen Moment hatte ich vergessen, wer ich bin“, ließ der Rekordweltmeister seine gut 40 Millionen Follower kürzlich wissen – und meinte das Ende der bittersten Saison seiner Karriere, im Dezember 2025 wirkte er, als habe er endgültig genug von der Formel 1. „Aber ihr werdet dieses Mindset nie wieder sehen. Das hier wird eine Wahnsinnssaison.“
Am Sonntag (5.00 Uhr MEZ/Sky) beginnt sie mit dem Großen Preis von Australien, neue Autos und neue Motoren mit fast 50 Prozent Elektro-Anteil sorgen für unklare Verhältnisse. Und Hamiltons Worte sind bemerkenswert – denn sie sind das, was einer Kampfansage noch am nächsten kommt.
In diesen Tagen will wirklich niemand der Favorit sein in einer Formel 1, die gerade nicht weiß, wo sie steht. Alle zeigen auf Mercedes oder Ferrari, Mercedes zeigt auf Red Bull, Red Bull und Max Verstappen wiederum wollen sich eher als vierte Kraft verkaufen. Und dann ist da ja noch McLaren mit Weltmeister Lando Norris, nebenbei auch Team-Champion.
„Ich würde sagen, dass Ferrari und Mercedes die Teams sind, die es zu schlagen gilt“, sagte McLaren-Teamchef Andrea Stella, ganz ähnlich äußerte sich Laurent Mekies von Red Bull. Und es gibt Gründe für diese These.
Der Silberpfeil lief ab den ersten Testtagen viel und schnell. Zudem hat das Team einen technischen Kniff gefunden, der in einer Grauzone des Reglements mehr Leistung aus dem Verbrennungsmotor kitzelt. Dieses Loch schließen die Regelhüter erst im Sommer, bis dahin könnte Mercedes profitieren – für Teamchef Toto Wolff ist die Debatte um den vermeintlichen Vorteil bloß ein „Sturm im Wasserglas“.
Der Ferrari war sogar am schnellsten. In Barcelona und Bahrain gehörte die Bestzeit jeweils den Roten – auch wenn die Zeitenjagd noch nicht allzu sehr im Fokus stand.DPA