Spielt Reiter auf Zeit?

von Redaktion

Kritik am Rathaus-Chef wegen seines Aufsichtsrats-Postens beim FCB

Bayernfan und Bürgermeister Dieter Reiter, hier mit Harry Kane, gerät in Erklärungsnot. © Löb/dpa

München – Er ist Münchens oberster Bayernfan. Doch seine Nähe zu den Roten bringt Dieter Reiter nun in Erklärungsnöte. Der OB ist in den Aufsichtsrat des deutschen Rekordmeisters nachgerückt – zwar als Privatmann, nicht als Rathaus-Chef. Dennoch: Sollte Reiter für diese Nebentätigkeit Geld erhalten, muss er sich den Posten vom Stadtrat genehmigen lassen. Das ist nicht erfolgt. In der gestrigen Vollversammlung hatte allen voran die Linke versucht, dem OB mittels Dringlichkeitsantrag Antworten zu entlocken. Doch die gab es nicht. Spielt Reiter auf Zeit?

„Alles, was Sie in den Antrag reingeschrieben haben, habe ich intern bereits zur Prüfung beauftragt“, sagte Reiter im Plenum. Der Stadtrat werde rechtzeitig vor der nächsten Sitzung des Aufsichtsrates mit dem Thema befasst, versprach der Rathaus-Chef. Das Gremium des FC Bayern tagt im Mai, spätestens am 29. April müsste der Stadtrat eine entsprechende Vorlage erhalten. „Dann können Sie sich ereifern über Höhen und Tiefen von Vergütungen oder erwartbare Probleme bei Abstimmungen“, sagte Reiter. Für den Wunsch nach Transparenz habe er volles Verständnis. Doch aktuell könne er ohne juristische Grundlage der Verwaltung keine Aussagen treffen. „Ich muss es erst gescheit aufarbeiten lassen.“

Reiter sitzt seit 2017 im Verwaltungsbeirat des FC Bayern. Der Chef dieses Gremiums war Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber. Mit dem Posten geht allerdings automatisch ein Sitz im Aufsichtsrat des Rekordmeisters einher. Stoiber gab den Verwaltungsbeirats-Chefposten Anfang Februar an Reiter ab. Dass der OB damit in den AR nachrückt und welche Auswirkungen das haben wird, war mutmaßlich von vielen Beteiligten unterschätzt worden. Zumal Reiter am 23. Februar bereits an einer AR-Sitzung teilgenommen hat und schon im Handelsregister eingetragen ist.

Linken-Chef Stefan Jagel wies darauf hin, dass er dies für problematisch halte. Der Stadtrat hätte gefragt werden müssen, bevor der OB den Posten antritt. Der wiederum entgegnete, er habe keinerlei Vergütung erhalten. „Das war auch wider Erwarten nicht meine erste Frage“, sagte Reiter. „Ich war froh und stolz, einen solchen Posten angetragen zu bekommen bei einem Aushängeschild Münchens. Alles andere werden wir juristisch prüfen und zur Entscheidung vorlegen.“ Reiter ist seit Kindheitstagen Fan des FC Bayern.

Hinterher sah sich Reiter dann allerdings noch gezwungen, Lügenvorwürfe zurückzuweisen. Als er sich in der Sitzung des Stadtrats dazu geäußert habe, sei er entgegen seiner Annahme doch schon reguläres Aufsichtsratsmitglied des deutschen Rekordmeisters gewesen, teilte der OB in einer Erklärung mit. Von diesem aktuellen Stand habe er aber zu Beginn der Vollversammlung noch nichts gewusst. „Vorwürfe, ich hätte wissentlich die Unwahrheit gesagt, weise ich deshalb mit aller Schärfe zurück!“, so Reiter.SASCHA KAROWSKI

Artikel 1 von 11