Das Team, das den Schlüssel fand

von Redaktion

EHC München erinnert an seine erste DEL-Meisterschaft vor zehn Jahren

Handschlag der Trainer-Größen: Pavel Gross (r.) und Don Jackson. © imago sportFotodienst

Die Premierenmeister: Zum Auftakt der dreitägigen Feier traf man sich im „Astor“-Kino zur Neuvorführung des Meisterfilms. © Bruno Dietrich

München – Vom Datum her kommt die Feier zu früh. Am 22. April 2016 wurde der EHC Red Bull München erstmals Meister in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Daran erinnert er am heutigen Freitag, dem 6. März 2026. Aber: Eine punktgenau abgehaltene Jubiläumsfete fiele heuer auf die terminliche Schnittstelle zwischen Halbfinale und Finale, da würde man sich nicht ablenken lassen wollen. Genauso gut könnte es aber sein, dass der EHC da nicht mehr im Playoff-Rennen ist und die aktuelle Mannschaft sich schon in den Urlaub verabschiedet hat. Außerdem: Diesen Samstag kommt Wolfsburg nach München – der Gegner von damals. In der VW-Stadt wurde vor knapp zehn Jahren die Finalserie beschlossen, die für den EHC ein „Sweep“ war. 2:1 nach Verlängerung, 5:4, 4:1 und 5:3 lauteten die Resultate. Den Wolfsburgern gingen die Spieler aus, der EHC mit seinem breiten Kader war ziemlich überlegen.

Ankunft von Jackson

2012 war der Getränkekonzern Red Bull beim insolvenzreifen EHC, der mit dem Zweitligisten Schwenningen über den Verkauf seiner DEL-Lizenz verhandelt hatte, eingestiegen. Zunächst mit einer Million Euro für die Namensrechte. 2013 übernahm Red Bull die EHC Spielbetriebs GmbH vollständig. Die erste Saison (2013/14) unter Trainer Pierre Pagé verlief enttäuschend, ihn löste Don Jackson ab, der Erfolgscoach schlechthin, der in sechs Jahren mit den Eisbären Berlin fünfmal Deutscher Meister geworden war. Auch mit ihm an der Bande lief es erst mal schleppend. 2014/15: schmuckloses Aus im Playoff-Viertelfinale gegen Wolfsburg. Die Analyse ergab: Es fehlte dem Team an interner Führung. DEL-Toptorjäger Michael Wolf, aus Iserlohn gekommen, um mal einen Titel gewinnen zu können, hatte zu wenig Unterstützung.

Die Schlüsselverpflichtungen waren daraufhin: Keith Aucoin, ein eleganter Spielmacher mit NHL-Erfahrung. Jason Jaffray, ähnliche Kategorie, Torjäger. Mads Christensen, Däne, einst Jacksons Spieler in Berlin. Toni Söderholm, Verteidiger aus Finnland, Persönlichkeit. Frank Mauer, Edeltechniker aus Mannheim. Und Steve Pinizzotto, zuständig für die Einschüchterung des Gegners, wie 217 Strafminuten in 55 Spielen belegten. Dem riesigen Mannheimer Verteidiger Denis Reul brach er bei einer Schlägerei den Kiefer, die Münchner Fans nannten Pinizzotto den „Hausmeister“ und kauften sein Trikot mit der Nummer 14. Man verpflichtete nachträglich auch noch einen Torhüter: David Leggio. Das Vertrauen in den später starken Danny Aus den Birken war noch nicht ausgeprägt. Leggio war dann der Playoff-Goalie.

Im Dezember fand sich das Team, die Hauptrunde beendete es auf Platz eins. Vom SC Riessersee spielte sich der jugendliche Maxi Kastner ins Münchner Profi-Team, aus Nordamerika kam der Tölzer Kony Abeltshauser, als er bemerkte, dass es mit der angestrebten NHL-Karriere nichts werden würde. Die Playoffs erlebte er dann an Krücken, doch die Mannschaft funktionierte: 4:1-Siege gegen Straubing und Köln in den ersten beiden Runden – fast ohne Holperer ging es ins Finale.

Wolfsburg war der große Gegenspieler damals. Trainer Pavel Gross lieferte sich epische Duelle mit Don Jackson. Die Münchner gewannen auch die Meisterschaften 2017 (abermals gegen Wolfsburg, 4:1) und 2018 (gegen Berlin). 2019 wurde der EHC dann von Pavel Gross, inzwischen in Mannheim tätig, entthront. „Ich war froh, dass Pavel es war“, bekundete Don Jackson seinem Rivalen Respekt, als er 2023 seine Zeit an der Bande für beendet erklärte.

Das Jubiläum wird zum Anlass für ein Wiedersehen.. Ein großer Teil der Premierenmeister folgtem dem Ruf, Trainer-Gottvater Don Jackson inklusive. Man hatte sich natürlich in alle Winde, auf verschiedene Kontinente verstreut. Vor allem die Nordamerikaner haben versucht, beruflich im Eishockey unterzukommen. Die am hellsten ausgeleuchtete Karriere danach machte Toni Söderholm, der Bundestrainer und EHC-Trainer wurde und nun den finnischen Großclub TPS Turku coacht. Große Pläne hatte der EHC mit Michael Wolf, dem der Titel von 2016 quasi gewidmet war, doch der Füssener kümmerte sich doch ums Schuhgeschäft seiner Familie. Auch Mads Christensen landete im Geschäftsleben: Der Däne betreibt in seiner Heimat Herning einen Schreinerbetrieb. Für manche ist Eishockey nicht mehr die Gegenwart.GÜNTER KLEIN

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