Das Team folgt ihm: Trainer-Routinier Kauczinski. © IMAGO
Einsatz & Emotionen: Siemen Voet. © IMAGO
Kämpfen und siegen: Jacobsen & Co. geben alles – und werden dafür belohnt. © IMAGO / Eibner
München – Vorlegen – und am nächsten Tag zuschauen, wie die Konkurrenz patzt. 1860 findet Gefallen am Terminplan der Englischen Woche. Auch der 27. Spieltag lief nahezu ideal aus Löwen-Sicht. Am Tag nach dem Giesinger Nebelkrimi gegen Aue (2:1) patzte nicht nur Wiesbaden, der nächste Heimgegner: 0:2 in Saarbrücken (mit Ex-1860-Coach Giannikis). Auch der MSV Duisburg dürfte nur teilweise zufrieden sein mit dem 0:0 in Ingolstadt.
Die schöne Folge für 1860: Kevin Volland & Co. sind nur noch drei Punkte vom Relegationsplatz entfernt und können am Freitag erneut vorlegen – auswärts bei Viktoria Köln. Ziel ist der fünfte Sieg in Folge, bei dem man zumindest bis Samstag nach Punkten mit dem Dritten Duisburg gleichziehen könnte.
Fünf Siege in Folge? Gab es erst einmal für 1860 in der 3. Liga – beim Startrekord 22/23 von Michael Köllner. Kauczinski hat jetzt schon zweimal vier Siege am Stück geschafft. Überhaupt gibt es nur ein Team, das seit seinem Amtsantritt in Giesing besser gepunktet hat: Rostock (35), das wie 1860 (33) vor der Saison als Topfavorit galt. Sind die Löwen nun endgültig ein Aufstiegsanwärter? Der Trainer-Routinier wiegelt in Lorant-Manier ab („Gerede!“), doch es gibt handfeste Gründe für den Aufschwung unter seiner Leitung.
Kaderbreite: Die Verletztenliste ist seit Wochen lang – trotzdem fällt das Team nicht auseinander. Kauczinski hat es geschafft, Talente heranzuführen und Hinterbänkler einzubinden. Aktuellstes Beispiel: Maxi Wolfram. Erster Startelfeinsatz seit Oktober – und gleich Schütze des Führungstreffers gegen Aue. In Hoffenheim zauberte er Morris Schröter nach 392 Tagen aus dem Hut – und jammert auch nicht, wenn einer der Chef-Sechser ausfällt. Spieler, die unter Glöckner einen schweren Stand hatten, blühen unter Kauczinski auf, u.a. ein gewisser Sigurd Haugen.
Trainerautorität: Kauczinski wirkt ruhig, sachlich, teilweise nüchtern – doch seine Botschaften kommen an. Jeder müsse aus sich heraus „Bock haben“, predigt er – ohne den Trainer als „Vortänzer“. Dieses Gleichgewicht aus Lockerheit und klarer Ansprache kommt an beim Team. Die Löwen ziehen jetzt Spiele auf ihre Seite, die sie früher verloren hätten.
Leistungsprinzip: Große Namen schützen nicht vor der Bank. Das prominenteste Beispiel ist Florian Niederlechner – und ganz aktuell Jesper Verlaat. Max Reinthaler vertritt den Kapitän glänzend – also bleibt er im Team. Steinkötter packte er schroff bei der Ehre – nun belohnt er seine ersten „Fußspuren“ mit Jokereinsätzen. Kauczinskis Mantra: „Fußball ist Teamsport!“ Die Botschaft: Leistung zählt – nicht der Status.
Extraqualität: Kauczinski weiß: Aufstiegsteams brauchen eine Achse – und einen Schuss Extraqualität. Findet er bei 1860 vor: Hinten Thomas Dähne als Ruhepol – vorne Haugen, der von Kevin Vollands erstligareifen Pässen profitiert. „Die passen einfach gut zusammen“, schwärmt Kauczinski von seinen Top-Offensivkräften.
Relative Ruhe: Ruhig war es selten in Giesing. Aktuell jedoch verpuffen die politischen Scharmützel (Mueller-Prozess, Merch-Streit) – die Kabinentür erreichen sie kaum. Alle nehmen sich zurück – die Mannschaft dankt es mit Leistung. Und die Fans dürfen träumen. Elf Spiele sind es noch – wenn Kauczinski seinen Punkteschnitt hält (1,94), könnte es reichen.ULI KELLNER