Ist dieses Team titelreif?

von Redaktion

Nagelsmann gibt DFB-Startelf für WM quasi bekannt – doch Zweifel bleiben

Titelreif? Woltemade und Co. sind heiß auf die WM. © IMAGO

WM-Kribbeln: Nagelsmann hat seine Elf im Kopf. © IMAGO

München – Julian Nagelsmann sprach in einem Interview mit dem „Kicker“ zuletzt ungewohnt offen über die Elf, mit der er im Sommer um den WM-Titel kämpfen will. Bis zum Start gegen Curaçao in 100 Tagen sind lediglich einzelne Positionen offen – ein Großteil steht bereits und stellt sich quasi von selbst auf. Unsere Zeitung erklärt, wie konkurrenzfähig das DFB-Team dabei ist:

Tor: Durch die erneute Verletzung von Marc-André ter Stegen gilt Oliver Baumann als gesetzt. „Wenn Oli so stabil und gesund bleibt, wie er es jetzt macht, wird er eine tolle WM spielen. Auf der Torhüterposition haben wir gar keine Bauchschmerzen“, erklärte Nagelsmann dazu. Fazit: Baumann ist ein solider Torwart auf gehobenem Bundesliga-Niveau – und auch andere Nationen haben hier nicht ihr Prunkstück.

Abwehr: Kimmich soll auch bei der WM als Rechtsverteidiger starten (Nagelsmann: „Ja, dabei bleibt es“). Im Zentrum gelten Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck als gesetzt, links David Raum. Fazit: Diese Viererkette besitzt ein ordentliches Niveau. Kimmich dürfte sich im Ballbesitz gewohnt nach vorn einschalten, bei eigenen Umschaltmomenten fehlt der Viererkette aber das Tempo, das Nationen wie Frankreich oder Portual mit Weltklasse-Außenverteidigern wie Joules Koundé oder Nuno Mendes besitzen.

Mittelfeld: Die Doppelsechs ist die große Baustelle im Team. Alexander Pavlovic ist aktuell in starker Form, daneben machte Nagelsmann Leon Goretzka große Hoffnungen auf einen Startelfplatz. Die offensive Dreierreihe dürfte aus Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kai Havertz bestehen, sofern alle drei bis zum Sommer fit bleiben. Serge Gnabry ist die erste Alternative. Fazit: Die Doppelsechs aus Pavlovic und Goretzka ist schon beim FC Bayern nicht gesetzt – und dass sie voraussichtlich beim DFB startet, verdeutlicht die Problem auf dieser Position. Andere Nationen wie England (Declan Rice und Jude Bellingham) oder Spanien (Pedri und Rodri) haben hier dagegen ihr Herzstück. Ein klarer Nachteil für die DFB-Elf.

Angriff: Hier spielte sich zuletzt Nick Woltemade fest. Der Angreifer war einer der wenigen Akteure, die im vergangenen Länderspieljahr Eigenwerbung betreiben konnten. Fazit: Woltemade besitzt riesiges Potenzial. Auf einem Level mit den Stürmern anderer WM-Favoriten (Harry Kane bei England oder Kylian Mbappé bei Frankreich) ist er aber nicht.

Titelreif? Zwar haben einzelne Spieler wie Kimmich, Wirtz oder Musiala definitiv Weltklasseformat – der gesamte Kader fällt im Vergleich zu Nationen wie Frankreich, Spanien oder England jedoch recht deutlich ab. Vor allem das fehlende Tempo im Kader dürfte ein Problem darstellen. Es gibt in der voraussichtlichen ersten Elf keinen klassichen Sprinter, alle Spieler fühlen sich eher wohl mit einem Pass in den Fuß als in den Lauf. Zwar setzt das DFB-Team grundsätzlich auch auf eigenen Ballbesitz, gegen starke Gegner sind aber auch Umschaltmomente ein wichtiger Faktor. Dafür fehlt das passende Spielermaterial allerdings.VINZENT TSCHIRPKE

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