Länger in der Box als auf der Strecke: Aston Martin.
Fernando Alonso hat Schmerzen im Auto. © Crock/AFP (2)
Melbourne – Fernando Alonso als Witzfigur, so weit ist es schon gekommen. In Melbourne wurde am Donnerstag über Favoriten für die neue Saison gerätselt, Valtteri Bottas hatte gute Laune, nannte mit ironischem Unterton den Namen des Ex-Weltmeisters – und der ganze Saal lachte herzhaft. Die Probleme sind allerdings ernst. Und so schwer, dass Alonso gar um seine Gesundheit fürchten muss, wenn er in dieses Auto steigt. Die Krise des Aston-Martin-Teams ist ein beherrschendes Thema vor dem WM-Start in Australien.
Denn der Aston Martin vibriert stark, sobald er Fahrt aufnimmt, und die Auswirkungen auf das Auto klingen in der hochtechnologisierten Formel 1 zunächst wie Slapstick. „Spiegel fallen ab, Rücklichter fallen ab“, zählt Teamchef und Top-Designer Adrian Newey auf, das sei aber nicht das Gravierendste: „Die Vibration wird in die Finger des Fahrers übertragen. Und Fernando ist der Ansicht, dass er nicht mehr als 25 Runden fahren kann, bevor er das Risiko dauerhafter Nervenschäden in den Händen eingeht.“
Auch in den Füßen habe er während der überschaubaren Test-Einsätze schon nach wenigen Runden ein „Taubheitsgefühl“ wahrgenommen, präzisierte Alonso. Der Spanier wirkte dabei schicksalsergeben.
Die Situation bei Aston Martin ist zum einen eine Erinnerung daran, was alles schiefgehen kann, wenn die Formel 1 sich ein grundlegend neues Reglement verschreibt. Bei den meisten Teams lief der Hybridmotor in den Testfahrten schon bemerkenswert gut, bei Aston Martin dagegen droht der Totalausfall für das Rennen am Sonntag (5.00 Uhr/Sky).
Und damit füllen diese Probleme zum anderen auch ein weiteres Kapitel in der bislang schon höchst unterhaltsamen Geschichte des Aston-Martin-Rennstalls. Zur Erinnerung: Die Edelmarke wurde vom Milliardär Lawrence Stroll in die Formel 1 gebracht, die Infrastruktur mit viel Geld aufgemöbelt. Alonso stieß 2023 zum Team, die Ankunft des Meistermachers Newey sollte nun so etwas wie das letzte fehlende Puzzlestück sein. Und laut eines Fünfjahresplans – formuliert von Stroll vor fünf Jahren – sollte der Rennstall jetzt eigentlich um Siege und Titel fahren.
Das wird nun kaum passieren, vielleicht fahren sie am Sonntag nur ein paar Runden. „Wir müssen uns sehr stark begrenzen“, sagte Newey, „bis wir die Quelle dieser Vibrationen in den Griff bekommen haben.“ Die Quelle ist der Honda-Motor, für den japanischen Hersteller sind die Ereignisse in Melbourne ein PR-Desaster. Die Motoren sind runderneuert, der Elektroanteil steigt auf fast 50 Prozent. Bis zum Heimrennen in Suzuka will Honda eine Lösung, das wäre am 29. März.
Eine gewisse Tragik bringt die Situation für Alonso mit. 2005 und 2006 war er Weltmeister, er setzte in der Folge aber mehrfach aufs falsche Pferd. Das britische Team ist nun sein letzter Schuss: Er glaube „zu 100 Prozent“ daran, dass Honda die Probleme lösen werde. „Es wird aber Zeit brauchen. Ob es zu der Zeit passt, die ich in meiner Karriere noch habe, muss man abwarten“, sagte der Spanier. Im Sommer wird er 45 Jahre alt.SID