Wieder angeschlagen: Neuer ging zur Halbzeit raus. © IMAGO
Mittendrin: Musiala traf cool vom Punkt. © Langer/dpa
Machte den Anfang: Luis Diaz wirbelte vorne nach Belieben. Ein Treffer und ein Assist – Harry Kane wurde gegen Gladbach nicht vermisst. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
München – Man hat sich das Szenario des ersten lauen Fußball-Abends des Jahres in der Allianz Arena schon vorab ausmalen können: Wenn 38 Punkte und 61 Tore zwischen zwei Mannschaften liegen, sind die Rollen klar verteilt. Kommen dann noch der Schwung, der Spielwitz und der Willen einer fast komplett durchrotierten Mannschaft des FC Bayern dazu, wird es ganz schnell ganz deutlich. So geschehen am Freitagabend. Auch ohne den angeschlagenen Harry Kane lautete das Endergebnis gegen Borussia Mönchengladbach: 4:1 (2:0).
Luis Diaz (33.), Konrad Laimer (45.+1), Jamal Musiala (Foulelmeter/57.) und Nicholas Jackson (79.) sorgten vor 75.000 Zuschauern für die perfekte Generalprobe vor dem Start der heißen Wochen. Trotz des späten Anschlusstreffers von Wael Mohya (89.) reist das Kompany-Team – bis mindestens Samstag 14 Punkte vor dem BVB – mit breiter Brust zu Atalanta Bergamo, allerdings nicht ganz ohne Sorgen. Denn neben Kane steht auch ein Fragezeichen hinter dem Einsatz von Manuel Neuer. Die Nummer eins musste beim Comeback nach Wadenverletzung erneut nach 45 Minuten runter. Jetzt läuft der Wettlauf gegen die Zeit.
Dass er rotieren würde, hatte Vincent Kompany am Tag vorher durchblicken lassen. Dass er derart viel rotieren würde, überraschte dennoch. In Konrad Laimer, Dayot Upamecano, Joshua Kimmich und Luis Díaz standen lediglich vier Akteure in der Startelf, die schon beim 3:2 in Dortmund gespielt hatten. Manuel Neuer im Tor, Minjae Kim und Tom Bischof davor, Leon Goretzka, Lennart Karl, Nicholas Jackson und Jamal Musiala durften von Beginn an ran. Sie alle hatten Bock.
Gladbach wollte aktiv mitmachen, wurde aber schnell nach hinten gedrängt. Allen voran Karl wirbelte knapp drei (!) Wochen nach seinem letzten Einsatz auffällig. Ein Treffer (10.) nach Zuspiel des ebenfalls sehr aktiven Goretzka zählte wegen Abseitsstellung nicht, das kitzelte ihn noch mehr. Auch Diaz und Bischof hatten Möglichkeiten, das ungewohnte Team kombinierte gut und zeigte auch in der Rückwärtsbewegung Zusammenhalt. Eine Musiala-Grätsche am eigenen Strafraum wurde lautstark bejubelt, noch lauter wurde es in der 33. Minute auf der anderen Seite: Einen genialen Chipball von Goretzka verwertete Luis Diaz cool zum verdienten 1:0. Jackson (36./44.) hätte erhöhen können, Laimer machte es nach einem Konter. Ein super Pass von Diaz – 2:0 zur Halbzeit.
Für Neuer war es das, Urbig machte sich warm und übernahm. Aber wirklich zu tun hatte der Ersatzmann auch nicht. Die Bayern standen hinten sicher und drehten vorne weiter auf. Als Rocco Reitz Jackson im Strafraum doppelt berührte, gab es Elfmeter und Rot. Harte Entscheidung, Musiala war das egal. Er netzte cool zu seinem ersten Saisontor ein (57.) und ließ sich feiern. In der 79. legte Jackson nach Karl-Vorarbeit nach. Der Anschluss in der 89. Minute war zu verschmerzen. Am Ende waren es 41 Punkte und 64 Tore Unterschied. Und es ist jedem klar, dass Bayern jetzt größere Kaliber braucht.H. RAIF, V. TSCHIRPKE