Entspannt: Camilla Klüver im Urlaub.
Räumt ab: Camilla Küver lässt nichts anbrennen. © Elias/Imago
Stavanger – Beim Gedanken an den Klassiker im kalten Norden wurde Camilla Küver ganz warm ums Herz. „Das ist schon sehr besonders für mich“, sagte die Nationalspielerin voller Vorfreude auf die knifflige nächste Hürde der deutschen Fußballerinnen in Norwegen, dem Heimatland ihrer Mutter. „Ich hoffe, dass ich die Mentalität der Wikingerin in mir habe und für mich nutzen kann“, betonte Küver vor dem WM-Qualifikationsspiel in Stavanger am Samstag (18.00 Uhr/ZDF-Livestream) im ARD-Interview.
Mit ihrer Körpergröße von 1,85 m ist die Verteidigerin ohnehin für ihre besondere Physis bekannt. Doch auf ihrem steinigen Weg ins Nationalteam musste die 22-Jährige vom VfL Wolfsburg schon oft genug auch eben jene mentale Stärke unter Beweis stellen.
„Zwischenzeitlich habe ich mich gefragt, ob ich überhaupt noch mal spielen kann“, erzählte sie im kicker-Interview angesprochen auf ihre lange Leidenszeit bereits in jungen Jahren. Diverse Verletzungen – vom Kreuzbandriss über Knieprobleme bis hin zu Blessuren an Schulter und Sprunggelenk – bremsten die in Bad Soden am Taunus geborene Küver nach ihrem Bundesliga-Debüt in Diensten von Eintracht Frankfurt immer wieder aus.
Umso mehr genießt sie im Hier und Jetzt ihren Aufstieg in die DFB-Auswahl unter Bundestrainer Christian Wück. Beim Kampf um die Tickets für die WM 2027 geht es nebenbei auch darum, im Casting für die Endrunde in Brasilien zu punkten. Beim 5:0 zum Auftakt gegen Slowenien am Dienstag in Dresden zeigte sie in der Abwehrzentrale an der Seite von Rebecca Knaak eine überwiegend ordentliche Leistung. Bei den Norwegerinnen um Star-Stürmerin Ada Hegerberg dürfte auf die deutsche Abwehr auf dem Kunstrasen der Lyse Arena deutlich mehr Arbeit zukommen.
Wäre es nach Küvers Mutter gegangen, hätte die zweisprachig erzogene Tochter auch gerne für den kommenden Gegner auflaufen dürfen. „Die hätte sich auch sehr gefreut, wenn ich für Norwegen spielen würde“, räumte Küver ein und betonte: „Da schlagen zwei Herzen in ihrer Brust. Aber es ist ganz klar, dass sie mich unterstützt und mir den Erfolg gönnt.“
Die Sprache hat Küver, die als Schülerin fünf Monate lang an einer amerikanischen Highschool Fußball spielte, zwar trotz norwegischer Teamkolleginnen in Wolfsburg „mittlerweile ein bisschen verlernt“. Doch die besondere Verbindung zur zweiten Heimat ist geblieben. Vor allem in der Kindheit hat sie viel Zeit in Norwegen verbracht: „Ich habe da viele Urlaube genossen und auch noch Familie dort.“
Besonders norwegisch fühlte sie sich nach eigener Aussage auch gerade erst wieder, als sie während der Winterspiele vor dem Fernseher mitfieberte. „Da feiert man die Erfolge gerne mit“, sagte Küver angesprochen auf die norwegischen Heldentaten von Langlauf-Superstar Johannes Hösflot Kläbo und Co. Am Samstag sollen aber die Deutschen jubeln.