„Dobro pozhalovat‘ obratno“ – „Willkommen zurück!“ So begrüßt man sich seit Jahrhunderten in Russland nach langer Trennung, schließt sich nach einer weiten Reise wieder in die Arme, setzt sich dazu an den Tisch, trinkt einen Wodka zur Begrüßung. Und so ruft es jetzt das Internationale Paralympische Komitee seinen Kollegen aus Moskau zu. Problem an der Sache: Diese Leute sind nicht unsere Freunde, sondern die des Kriegsherren Wladimir Putin.
Bei den Paralympics starten sechs russische und vier belarussische Athleten, sie treten unter ihren Flaggen und in Nationaltrikots an. Nur zehn Athleten, mag man sagen, aber auf die Zahl kommt es nicht an – allein entscheidend ist das Signal. Seit Jahren arbeitet Russland daran, seine Sportler wieder auf die internationale Bühne zurückzubekommen. Mit Erfolg: Erst ließ der Judo-Verband Russen wieder zu, dann durften hier und da russische Sportler unter neutraler Flagge mitmachen, auch bei Olympia war das schon so. Jetzt also die Paralympics – und dann? Was ist der nächste Schritt? Jugend-Teams bei internationalen Fußballturnieren, wie es FIFA-Boss Gianni Infantino vorschwebt? Weil ja schließlich die Sportler neutral seien, und überhaupt: Sport und Politik sollten nicht vermischt werden! Schon klar, und die ständigen Diskussionen über den Boykott von Fußballturnieren, sei es in Katar oder den USA: Unsäglich, findet auch der DFB, Sport und Politik, getrennt, Sie verstehen schon…
Das ist Heuchelei. Natürlich dürfen die Wiederzulassung von Russen und Boykott-Diskussionen rund um eine Fußball-WM nicht über einen Kamm geschoren werden, aber eines haben die Fälle gemeinsam: Der (organisierte) Sport muss diese Debatten aushalten und sich aktiv daran beteiligen – denn er war noch nie unpolitisch. Russlands Sportjournalisten zählen schon jetzt die möglichen Erfolge bei den Paralympics. „Sechs Sportler – 18 Medaillen“ seien möglich, schreibt das Portal gazeta.ru. Man darf gespannt sein, wie sie im Kreml empfangen werden, wenn sie goldbehängt wieder daheim sind. Ich hab da eine Ahnung: „Dobro pozhalovat‘ obratno!“