Starkes Startelfdebüt: 1860-Talent Faßmann. © sampics
Partytrip nach Köln: Wie üblich sorgten die 1860-Fans für eine imposante Pyro-Show. © IMAGO
Mit all seiner Routine: Kevin Volland schießt überlegt zur Löwen-Führung ein – vorausgegangen war ein kapitaler Fehler von Viktoria-Keeper Schulz. © IMAGO / BEAUTIFUL SPORTS
Köln – Markus Kauczinski hatte da so eine Vorahnung. Vor der Reise seiner Löwen nach Köln hatte der Coach der zuletzt so erfolgreichen Sechzger klargemacht: „Es geht nicht um Haltungsnoten, sondern um Punkte.“ Gut für 1860, dass die Ästhetik des Spiels nichts mit der Punkteausbeute der Teams zu tun hat. Denn es war wahrlich kein Fußball-Leckerbissen, den die Löwen am Freitagabend bei Viktoria Köln anboten. War den Giesingern am Ende herzlich egal. Mit 1:0 siegten sie in der Domstadt und feierten den fünften Sieg in Serie in der 3. Liga – Köllner-Rekord aus der Saison 22/23 eingestellt.
„Vor ein paar Wochen waren wir gefühlt die schlechteste Mannschaft, wurden durch den Kakao gezogen“, kommentierte Siegtorschütze Kevin Volland bei MagentaSport: „Jetzt gerade ziehen wir einfach die Spiele. „Im Moment haben wir einfach den Instinkt, keinen zu kriegen und einen zu machen“, ergänzte Trainer Markus Kauczinski: „Das ist im Moment ein guter Lauf für uns. Wir sind eine richtig gute Mannschaft geworden.“ Schöne Belohnung für die Entwicklung unter seiner Leitung: Die Löwen stehen über Nacht auf Platz vier – punktgleich mit dem Tabellendritten Duisburg (je 48 Punkte).
Statt des hochgelobten Offensiv-Duos Sigurd Haugen und Kevin Volland geriet von Beginn an eher die 1860-Defensive um Startelfdebütant Lasse Faßmann in den Fokus. Der 19-Jährige rutschte für den verletzten Abwehr-Recken Raphael Schifferl in die Startelf, Kapitän Jesper Verlaat musste erneut auf der Bank Platz nehmen. Neuling Faßmann hatte direkt alle Hände voll zu tun, besonders Kölns Flügelflitzer Simon Handle sorgte für viel Unruhe. Viele Standards segelten in den Löwen-Strafraum und sorgten für Gefahr, auch weil Gästekeeper Thomas Dähne einige Male ungewohnte Wackler zeigte.
Doch egal wie oft den Blauen in dieser Saison das Spielglück gefehlt hatte: In diesen Tagen scheint der Fußballgott den Löwen doch noch ins Herz geschlossen zu haben. Kölns Schlussmann Arne Schulz leistete sich einen katastrophalen Fehlpass direkt in die Füße von Thore Jacobsen, der den Ball gedankenschnell auf Volland durchsteckte. Mit all seiner Erfahrung schob der 33-Jährige zur schmeichelhaften Gästeführung ein. Der Gästeblock, gewohnt lautstark und pyro-freundlich unterwegs, bejubelte den vierten Saisontreffer des ehemaligen Nationalspielers.
Auch nach der Pause wirkten die Löwen müde – mental wie körperlich. Die Viktoria bestimmte das Spiel, ohne sich jedoch die ganz großen Chancen herauszuspielen. 1860 agierte nun kompakter und zwang die Kölner zu hohen Bällen, die Max Reinthaler und Co. meist konsequent wegverteidigten. Nach vorne gelang weiterhin wenig, die Entlastung der Gäste fehlte komplett. Und dennoch: Leidenschaft und Glück reichten an diesem Freitagabend, um aus einer starken Siegesserie eine für die Rekordbücher zu machen. Die weiß-blaue Party setzte sich auch in Köln fort. Nach dem „Wie“ wird in ein paar Tagen keiner mehr nachfragen.MARCO BLANCO UCLES