Peinlicher Ausfall: Lokalmatador Oscar Piastri verlor auf den Weg in die Startaufstellung seinen McLaren. © Barbour/dpa
George Russell feiert den Sieg. © Barbour/dpa
Melbourne – Sieger George Russell flötete noch im Auto seine Liebeserklärung an die neuen Motoren in den Funk. Wenig später lachte er über den „Jojo-Effekt“, der den Beginn dieser neuen Ära so sehr geprägt hatte. Der extreme Elektroschub im Hybridmotor hatte beim Grand Prix von Australien für zahlreiche, abwechselnde Überholmanöver gesorgt.
„Es war ein irrer Kampf“, meinte Russell über diese furiose Anfangsphase. „Jeder, der gesagt hat, es hat zu wenig Show, wurde am Anfang eines Besseren belehrt“, befand Mercedes-Teamchef Wolff. Ferrari-Pilot Lewis Hamilton sah es ähnlich: „Es war sehr spaßiges Rennen direkt vom Start weg.“
Lokal-Held Oscar Piastri (McLaren) war da längst Zuschauer. Der WM-Dritte von 2025 krachte auf dem Weg in die Startaufstellung in die Streckenbegrenzung. Trotzdem bekamen die Fans in Down Under eine spektakuläre Anfangsphase geboten. So war Leclerc am Start von Rang vier an die Spitze geschossen, dann durfte Russell den neuen Überhol-Modus ausprobieren – einen Extraschub aus dem Elektromotor, der nur eingesetzt werden darf, wenn man innerhalb einer Sekunde hinter dem Vordermann liegt. Das sorgte für insgesamt 120 Manöver, im Vorjahr waren es nur 45.
Russell ging sehr einfach vorbei – dann hatte aber Leclerc den Vorteil des Schubs: Das gesamte Schauspiel wiederholte sich noch einige Male. Russell sprach vom Jojo-Effekt, „sobald man vorne war, war es fast unmöglich, die Position zu halten“.
Erst ein Virtuelles Safety-Car veränderte das Rennen: Mercedes ging sofort an die Box, Ferrari verzichtete. Schon während des Rennens äußerte Hamilton, der am Ende als Vierter hinter Leclerc knapp das Podium verpasste, seinen Unmut über die Strategie.
Auch der viermalige Weltmeister Max Verstappen war bedient. Nach Startplatz 20 arbeitete sich der Niederländer im Red Bull aber immerhin noch bis auf Rang sechs vor. Seinen Ärger über die neue Auto-Generation kaschierte er mit sarkastischen Aussagen auch nicht groß. „Es war eigentlich ein Toprennen“, sagte Verstappen grinsend. Er hofft auf Änderungen noch in dieser Saison.
Einen Fürsprecher hat der Niederländer in Lando Norris. Der Weltmeister, der auf Rang fünf landete, sorgt sich auch um die Sicherheit. Wenn die Wagen plötzlich langsamer werden, um ihre Batterie wieder aufzuladen, können die Verfolger auf einmal heranrasen: „Man fährt und wartet nur darauf, dass etwas passiert und etwas schrecklich schiefgeht.“
Neuling Audi hatte nach dem ersten Formel-1-Rennen in deren Motorsport-Geschichte ein lachendes und ein weinendes Auge. Gabriel Bortoleto schaffte es als Neunter gleich in die Punkte. „Ich bin unheimlich stolz auf das, was wir erreicht haben“, sagte Teamchef Jonathan Wheatley, der noch vor dem Start ein Desaster befürchten musste. Denn technische Probleme auf dem Weg in die Startaufstellung verhinderten einen Start von Niko Hülkenberg. „Es ist natürlich sehr unglücklich, dass wir gar nicht starten und somit auch nicht lernen konnten“, sagte der einzige Deutsche im Feld.
Mercedes bekam davon nichts mit. Nach Ferraris Strategie-Patzer fuhren Russell und Kimi Antonelli souverän zum Doppelsieg. „Wir haben nach schwierigen Jahren endlich wieder das Gefühl, dass wir um den Titel kämpfen können“, sagte Wolff.SID, DPA