ZUM TAGE

Wer besser lädt, ist länger schnell!

von Redaktion

Rennfahrer werden zu Energiesparern

Hat der Beruf „Rennfahrer“ ausgedient? Sitzen bald nur noch Energieberater am Steuer? – Nein, so schlimm war der Formel-1-Auftakt mit dem neuen Reglement nun auch wieder nicht. Der Start und die ersten Runden von Melbourne haben Spaß gemacht. Viele Überholmanöver und Rad-an-Rad-Kämpfe an der Spitze sorgten für Action auf der Strecke.

Auf den ersten Blick sind das in Sachen Racing Fortschritte. Fans dürfen sich auf deutlich mehr Zweikämpfe freuen. Doch das schaut alles spektakulärer aus, als es ist: Das Problem ist, dass die Fahrer chancenlos sind, wenn ihrer Batterie am Ende der Geraden bei Vollgas der Saft ausgeht. Der Konkurrent mit mehr Energiereserven zieht ohne große Mühe vorbei.

Besonders deutlich wird das im Qualifying. Eigentlich geht es hier um die reine Geschwindigkeit auf eine Runde, die Fahrer holen das Maximum aus den Prototypen heraus. Doch auch hier: Am Ende der Geraden, noch deutlich vor dem Bremspunkt, verlangsamen Verstappen, Russell, Hamilton & Co. gezwungenermaßen vehement, um Energie zurückzugewinnen. Getreu dem Motto: Wer besser lädt, ist länger schnell!

Die Zweikämpfe im Rennen sind ein logisches Produkt aus unterschiedlichem Energie-Management. Weltmeister Lando Norris sagt, die Action auf der Strecke wäre künstlich herbeigeführt. Aus Fan-Sicht gar nicht mal übel. Doch die Formel 1, die vom Zuschauerwachstum eigentlich auf der Überholspur schien, hat sich verrannt. Ja, die Motorsport-Königsklasse war schon immer eine Konstrukteurs-Liga. Wer im besten Auto sitzt, hat die besten Chancen. Aber es ging auch immer darum, das Auto wirklich am Limit des Fahrbaren zu bewegen. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Strategisches Laden sticht Kurvengeschwindigkeit.

Wer denkt, dass die Fahrer selbst herausfinden müssen, wo man die Batterie am besten aufladen und wann man die gewonnene Energie des Elektromotors nutzen sollte, um die schnellste Rundenzeit zu erreichen, der irrt sich. Das übernehmen unter Anwendung von KI leistungsstarke Computer. Wo wir wieder bei der Anfangsfrage wären…

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