London – Nick Hornby hat es in seinem berühmten Fußball-Buch „Fever Pitch“ Millionen von Lesern erklärt. „Wir“, also sein FC Arsenal, „sind langweilig und haben Glück, wir sind dreckig und launisch, reich und gemein.“ Und das, schrieb er, „schon seit den 1930er-Jahren“. Der Ruf der „langweiligsten Mannschaft in der Geschichte des Universums“, schloss Hornby, sei vollauf gerechtfertigt.
Das war 1992. Und hat, glaubt man den Kritikern der Gunners, nichts von seiner Aktualität verloren. Teammanager Mikel Arteta mag über Zauberfüße wie Martin Ödegaard oder Kai Havertz verfügen, doch er lasse Rumpelfußball spielen, setze auf Standards und Zeitschinderei. Für Ex-Nationalspieler Paul Scholes wäre Arsenal der „langweiligste“ Meister der Premier-League-Geschichte, für seinen Expertenkollegen Chris Sutton der „hässlichste“.
Oranje-Idol Ruud Gullit, ein Verfechter des schönen Spiels, klagte nach dem Derby zwischen Arsenal und Chelsea, das Spiel sei „kompletter Müll“ gewesen. Fabian Hürzeler, Teammanager von Brighton, polterte nach dem 0:1 gegen Arsenal: „Das ist kein Fußball!“ Er würde „niemals“ versuchen, auf diese Art Spiele zu gewinnen.
Tatsächlich hatte Artetas Elf, die am Mittwoch in der Champions League bei Bayer Leverkusen gastiert, in Brighton unglaubliche 30:51 Minuten von der Uhr genommen. Ganze 59-mal verzögerten sie das Spiel, im Durchschnitt um 31,4 Sekunden. Auch vor Eckbällen lässt Arsenal viel Zeit verstreichen, 44,5 Sekunden laut Opta – hat dafür schon 16 Tore auf diese Weise erzielt. Auch der FC Bayern kann ein Lied davon singen: 1:3 hieß es Ende November.
Arteta will die Kritik nicht hören. „Schönere“ Tore, ätzte er, würden auch nicht anders gefeiert, die seien höchstens was „für YouTube“. Oder, wie Hornby schrieb: „Wenn wir Erfolg haben, wird vieles verziehen.“MARCO MADER/SID