Ehefrau und Gegnerin: Olaf Lange und Sandy Brondello. © Instagram
Villeurbanne – Olaf Lange und Sandy Brondello sind kein gewöhnliches Ehepaar. „Bei uns dreht sich alles um Basketball“, erzählt der neue Frauen-Bundestrainer: „Wir haben 20 Jahre lang im Sommer keinen Urlaub gehabt, weil wir immer irgendwo coachen.“ Einst trainierte Lange seine Frau sogar als Spielerin, später war er ihr Chef, dann mal ihr Gegner und mal ihr Assistent. Und nun treffen sie sich womöglich bald auf der WM-Bühne.
„Unsere Kinder freuen sich schon auf so ein Duell“, sagte Lange dem rbb, nachdem er die deutschen Basketballerinnen im vergangenen Oktober übernommen hatte. Während Brondello die Auswahl ihrer australischen Heimat schon seit Jahren betreut, soll Lange Deutschlands vielversprechende Generation bei der anstehenden Heim-Weltmeisterschaft in Berlin (4. bis 13. September) zu einer Medaille führen.
Auf dem Weg dorthin gibt den neue Bundestrainer am Mittwoch (17.00 Uhr/MagentaSport) gegen Südkorea sein Debüt im Rahmen der WM-Qualifikation in Villeurbanne. Da Deutschland das WM-Ticket als Gastgeber bereits in der Tasche hat, will Lange in Abwesenheit von Starspielerin Satou Sabally die fünf Partien in Frankreich nutzen, um sein Spielsystem zu etablieren. Externen Druck verspüre er keinen, so der 53-Jährige: „Den Druck machen wir uns schon selber.“
Dass Lange, der das Amt schon 1998 und von 2001 bis 2003 innegehabt hatte, nach 20 Jahren wieder in Deutschland trainiert, kam im vergangenen Jahr durchaus überraschend. Nach dem Abschied von Erfolgstrainerin Lisa Thomaidis bewog ihn unter anderem Leonie Fiebich, die er aus der WNBA von New York Liberty kennt, zur Entscheidung für die Nationalmannschaft. Lange sei „genau das Puzzleteil, was uns noch gefehlt hat“, sagte Fiebich im Podcast „Got Nexxt“.
Während er der Öffentlichkeit in Deutschland kaum bekannt ist, spricht die Vita des Weltenbummlers für sich. Um die Jahrtausendwende herum trainierte er höchst erfolgreich den EuroLeague-Klub Barmer TV 1846 Wuppertal, die vier Jahre ältere Brondello war damals sein Point Guard. Später heuerte er mit Brondello als Co-Trainerin bei UGMK Jekaterinburg in Russland an und arbeitete mit Superstars wie Diana Taurasi und Brittney Griner.
Doch nicht immer arbeitete das Paar zusammen. 2021 schnappte Lange als Assistent bei Chicago Sky seiner Frau, damals Cheftrainerin von Phoenix Mercury, im WNBA-Finale den Titel weg. „Und während ich in der Halle im Konfettiregen stand, haben meine Kinder im Hallengang geweint, weil ihre Mama verloren hat. Die waren schon immer auf ihrer Seite“, so Lange. Drei Jahre später holte Lange als Assistent Brondellos die Meisterschaft mit New York.
Langes Aufgabe beim DBB, bei dem er bis nach Olympia 2028 in Los Angeles unter Vertrag steht, ist nun die Entwicklung der Mannschaft, die bei der EM im Vorjahr einen guten fünften Platz belegte. Über kurz oder lang muss jedoch Edelmetall her, Fiebich (26), Nyara (26) und Satou Sabally (27) steuern auf ihre besten Jahre zu. Und damit Lange auf seiner Mission nicht langweilig wird, coacht er künftig wohl auch in Kanada beim neuen WNBA-Klub Toronto Tempo. Natürlich als Co-Trainer seiner Frau.SID