Eiskalt im Hexenkessel: Serge Gnabry überwindet Bergamos Torwart Carnesecchi. © Cippitelli/Imago
Eine magische Nacht war es, allerdings nur für die Gäste aus München. © MARAVIGLIA/EPA
Völlig losgelöst von der Erde … schwebte in Bergamo kein Raumschiff, sondern Josip Stanisic. © Imago
Bergamo – Vielleicht war es von den Fans von Atalanta Bergamo doch etwas zu groß geträumt. „Notti Magiche“ war in Anlehnung an den offiziellen Song der WM 1990 vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League im blauen Block der „New Balance Arena“ zu lesen. Aber eine magische Nacht wurde dieser Dienstagabend nur für den FC Bayern. Mit 6:1 (3:0) fertigte die Elf von Vincent Kompany den Playoff-Bezwinger des BVB ab und kann schon vor dem Rückspiel am kommenden Mittwoch mit dem Einzug ins Viertelfinale planen.
Uno, due, tre hatte es schon zur Halbzeit nach Treffern von Josip Stanisic (12.), Michael Olise (22.) und Serge Gnabry (25.) geheißen, nach der Pause legte Nicolas Jackson (52.), Olise (64.) und der eingewechselte Jamal Musiala (67.) in einem dann doch sehr einseitigen Spiel nach. Mario Pasalic erzielte Bergamos Ehrentreffer (90.+2). Auch ohne den noch nicht ganz fitten Harry Kane und Kapitän Manuel Neuer fanden die teils überragend spielenden Bayern jede Lücke in der Atalanta-Abwehr und sorgten zum Start in die K.o.-Runde für ein echtes Ausrufezeichen. Italien liegt den Münchnern – aber die Reise soll nach dem Rückspiel am kommenden Mittwoch noch viel, viel weiter gehen. Am besten bis nach Budapest, wo am 30. Mai das Finale ansteht.
Dass das im Kollektiv gelingen kann, kann man seit Dienstag noch besser erahnen. Als Team, als geschlossene Einheit mit überragenden Einzelkönnern gab sich der Rekordmeister in Norditalien. Stanisic, Jonathan Tah, Olise und Gnabry rotierten zurück ins Team, Urbig vertrat wie gehabt Neuer, Nicholas Jackson Kane. Sie alle mussten erst mal zurechtkommen mit der Hitzigkeit in diesem Stadion und auch auf dem Feld. Schon in der ersten Minute war Sulemana blitzschnell im Strafraum, Zalewski kurz danach (3.). Hallo wach!
Die von Kompany angekündigte Körperlichkeit war gefragt, aber auch die Gäste aus München waren da. Olise (4./7.) hatte die ersten Chancen aus dem Spiel und per Freistoß, Diaz beschwerte sich über einen nicht gegebenen Elfmeter, da war es schon passiert: Kurze Ecke auf Gnabry, schnelle Weiterleitung auf Stanisic – 1:0 Bayern. Und für den Ex-Leverkusener nach dem verlorenen Europa-League-Finale 2024 eine kleine aber feine Rache an Atalanta.
Es war zumindest anfangs nicht so, als finde Bergamo nicht statt. Aber die Bayern standen hinten sicher, korrigierten kleine Ungenauigkeiten sofort und haben vorne halt einfach mehr Qualität. Was Olise da in der 22. Minute machte, war schon sensationell gut: Von rechts nach innen ziehen, flach abschließen, treffen. Und weil es grad so viel Spaß machte, legte Gnabry nach. Urbig leitete den Spielzug mit einem genauen langen Ball ein, Olise gab weiter, der Nationalspieler netzte ein. 25 Minuten – und die Bergamaschi wussten: die Sache ist durch. Einmal musste Urbig ran (26.), aber die Bayern hätten sogar noch vor der Pause nachlegen können. Das erledigte dann Jackson nach dem Seitenwechsel nach einem Zuspiel von Diaz, Olise mit der Kopie seines ersten Treffers und Musiala nach Jackson-Zuspiel. Nächste Woche wird Bergamo leisere Töne spucken. Und Bayern braucht keine magische Nacht. Eine normale reicht.HANNA RAIF