Glücksgriff: 1860-Boss Paula herzt Erfolgstrainer Markus Kauczinski. © IMAGO
München – Herbstzeit, Krisenzeit. Die Löwen hatten auch in Wiesbaden einen leblosen Auftritt hingelegt, waren beim 0:1 zum fünften Mal in Folge sieglos geblieben. Patrick Glöckner war bereits Geschichte. Nun trat Geschäftsführer Manfred Paula vor die Presse und stellte den neuen Hoffnungsträger vor: Markus Kauczinski – ein Trainer, der auch „Erfahrung mit Aufstiegskonstellationen“ hat. Bitte was, dachte sich mancher Zuhörer? Der TSV 1860 war Tabellen-13. – mit zehn Punkten Rückstand auf Platz zwei. Paulas Satz klang damals etwas deplatziert. So kann man sich täuschen. Aus heutiger Sicht war es eine Prophezeiung.
18 Spiele mit einem Punkteschnitt von 2,0 geben Paula im Rückblick recht. Kauczinski hat sich eine weitere „Aufstiegskonstellation“ geschaffen. Zuletzt gewannen seine Löwen fünfmal in Folge. Schon Ende der Hinrunde hatte er im Interview mit unserer Zeitung betont: „Dieser Adrenalinkick im Fußball, der hat mich immer gereizt.“
Wo andere zweifeln, sieht Kauczinski Herausforderungen. „Wir waren eigentlich abgeschrieben. Auf uns hat keiner mehr richtig was gesetzt“, sagte der Trainer am Sonntagabend in der BR-Sendung Blickpunkt Sport. Ganz aufgegeben habe er die Hoffnung insgeheim aber nie. „Ich habe immer – nie öffentlich, aber intern mit der Mannschaft – darüber gesprochen: Wenn man mal so eine Serie schafft, kann man vielleicht wieder rankommen.“ Genau das ist nun passiert.
Mit jedem Erfolg kehrt ein Stück Selbstvertrauen zurück. Und mit jedem Spiel wächst der Glaube, dass aus einer starken Phase mehr werden könnte. „Mir ist es wichtig, jetzt, wo es wirklich zur Sache geht, dabei zu sein. Nicht, dass man Anfang März nur zuguckt“, sagt Kauczinski. „Da geht es um etwas – und du bist nicht nur Zuschauer. Wir sind mittendrin!“
Der Trainer merkt vor allem eines: dass seine Mannschaft mitzieht. „Ich merke, wie die Jungs Bock drauf haben“, sagt er. „Das ist entscheidend. Dass sie annehmen und lernen wollen. Der Glaube, etwas erreichen zu wollen, wächst von Tag zu Tag.“ Seine Einschätzung der Lage in der Spitzengruppe der 3. Liga: „Es ist hart umkämpft. Jeder kann jeden schlagen. Man kann straucheln, aber ich habe alle Mannschaften gesehen. Wir können mit jedem mithalten. Wir haben etwas zu bieten. Mein Wunsch ist es, dass wir bis zum Schluss mitmischen – und vielleicht am letzten Spieltag ein Endspiel haben.“
Der Zufall will es, dass jetzt ein Gegner kommt, der für Kauczinski einen Meilenstein markiert: Wehen Wiesbaden. Für die Löwen war das Spiel in der Hinrunde ein Wendepunkt, für den Trainer ist Wiesbaden eine süße Erinnerung: Es war seine Station vor 1860 (Ende 2021 bis April 24) – ein Verein, den er wie einst den Karlsruher SC in die 2. Liga geführt hat.
Eine Erfahrung, die gerade jetzt wertvoll sein könnte. Im Aufstiegskampf braucht es stabile Nerven: Die einen knicken weg, andere beflügelt genau dieser Kick. Kauczinski sagt: „Ich teile die Sehnsucht der Fans, aufsteigen zu wollen.“ Und das Duell am Samstag mit Wiesbaden – drittbestes Rückrundenteam gegen das zweitbeste – ist genau die Sorte Spiel, für die Kauczinski Trainer geworden istULI KELLNER