ZUM TAGE

Ein Haufen von Möchtegernstars

von Redaktion

Wolfsburg droht der erste Abstieg

Für viele Beobachter ist die Lage beim VfL Wolfsburg brenzliger als bei den Fast-Abstiegen 2017 und 2018. Auch damals gab der Werksclub Unmengen an Geld für Möchtegernstars aus, die es aus pekuniären Gründen ins östliche Niedersachsen gezogen hatte. Damals hatte der VfL noch Glück, dass Kiel und Braunschweig in der Relegation keine Schwergewichte waren; und dass es Korsettstangen wie Koen Casteels, Robin Knoche, Josuha Guilavogui und Maximilian Arnold gab, denen ihr Arbeitgeber nicht komplett egal war.

Die Identifikation mit Standort und Verein ist nicht käuflich. Das wird auch Sportdirektor Pirmin Schwegler wissen, der in der Autostadt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt angefangen hat. Nach dem verlorenen Abstiegsduell gegen den HSV ist schwarzer Rauch über der Nordkurve aufgestiegen, weil die treuen VfL-Fans ihren Frust im Abbrennen von Pyrotechnik entluden. Und dann war da noch das Plakat: „Chance vertan – Rückhalt verspielt“. Dieses Spruchband könnte noch zum Ballast werden.

Nach dem Auswärtsspiel in Hoffenheim kommt mit Bremen der nächste direkte Konkurrent um den Klassenerhalt – ein Team, das über mehr gewachsenes Miteinander und bundesweite Sympathien verfügt als Wolfsburg. Geht auch dieses Heimspiel in der explosiven Gemengelage schief, könnte der erste Bundesligaabstieg der Wölfe tatsächlich die Folge sein.

Der Club hat seinen Kompass noch nicht komplett verloren, aber alles auf Dieter Hecking als neuen Retter zu setzen, nur weil der 2015 mit einem ansprechenden Kader um den späteren Weltstar Kevin De Bruyne den DFB-Pokal gewann, wäre fatal. Die Erfahrung des 61-Jährigen mag viel wert sein, doch den VfL Bochum hat Hecking im Vorjahr trotzdem nicht halten können. Klar, die individuelle Klasse ist jetzt deutlich höher, doch gleichzeitig ist es viel schwieriger, aus diesem überbezahlten Haufen schnell ein Kollektiv zu formen. Und: Abseits von Wolfsburg gibt es reichlich Sympathie für die Vorstellung, dass ein Verein für seine permanente Misswirtschaft mit dem Abstieg bestraft wird.

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