Heimspiel: Hering bei der EM 2022 in München. © Wittek/EPA
Von ihrem Büro schaut Christian Hering in das Dantestadion. © Achim Frank Schmidt
Auf der Laufbahn im Dantestadion bestritt Christina Hering als Kind ihren ersten Wettkampf. © Achim Frank Schmidt
Im Dantestadion bestritt Christina Hering ihren allerersten Wettkampf. Von ihrem neuen Büro schaut die 31-Jährige nun auf genau diese Laufbahn. Als neue Geschäftsführerin der LG Stadtwerke München. Nach einer erfolgreichen Karriere mit 15 Titeln bei der Deutschen Meisterschaft will Hering sich nun weiter für die Leichtathletik einsetzen. Wir haben die ehemalige 800-Meter-Spezialistin in der neuen Kommandozentrale besucht.
Christina Hering, von Ihrem neuen Büro aus schauen Sie ins Dantestadion rein. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre sportlichen Anfänge?
Die Laufbahnen haben schon sehr mein Leben bestimmt. Seit 2011 war ich eigentlich täglich am Stützpunkt in der Werner-von-Linde-Halle. Hier im Dantestadion hatte ich damals meinen allerersten Wettkampf. Ich habe mit sechs Jahren mit dem Sport angefangen und darf nun Geschäftsführerin von der LG Stadtwerke München sein, da schließt sich ein Kreis.
Was hat Ihnen der Sport in der Jugend gegeben?
Der Impulsgeber war damals, dass Freunde gesagt haben: Komm, doch mal mit. Ich habe aber schnell gemerkt, dass ich eben auch besser werden will. Ich habe als Kind schon realisiert, dass mich das von anderen unterscheidet, die an Wettkämpfen gar nicht so viel Interesse hatten. Aus dem Spaß wurde schnell eine Leidenschaft. Der Sport hat mir geholfen, Selbstbewusstsein aufzubauen. In dem Alter bin ich sehr gewachsen. Der Sport hat mir gezeigt, dass das eine Stärke ist.
Sie haben 15 Deutsche Meisterschaften gewonnen, haben an zwei Olympischen Spielen teilgenommen. Konnten Sie sich schnell von dem Leben als Leistungssportlerin trennen?
Ich bin immer noch in einem Prozess. Am ehesten vermisse ich die Trainingslager. An den schönsten Orten der Welt konnte man den Fokus nur auf den Sport legen und hat schnell Ergebnisse gesehen. Ich bin aber nach wie vor im Reinen mit der Entscheidung. Im Leistungssport muss man sich selbst immer priorisieren. In den letzten Monaten habe ich gemerkt, wie sehr ich die Zeit mit Freunden und Familie genieße. Ich bin zur Ruhe gekommen. Da spürt man noch mal, wie intensiv die Zeit als Leistungssportlerin war. Der Zeitpunkt war genau richtig, mal etwas runterzuschalten.
War der Posten bei der LG Stadtwerke München für Sie schon länger denkbar, oder kam es spontan?
Ich habe nach dem Karriereende erstmal Abstand vom Sport genommen, habe an andere Branchen gedacht. Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass die Leidenschaft für den Sport wieder da ist. Die Gelegenheit, hier als Geschäftsführerin anzufangen, kam zur richtigen Zeit. Bei der Olympiabewerbung hatte ich intensiven Kontakt mit der Stadt und dem Bayerischen Innenministerium, das hat mir Spaß gemacht. Ich will mich für die Leichtathletik in München einsetzen. Wir haben eine sehr gute Infrastruktur, die aber auch instandgehalten werden und den Sportler zur Verfügung gestellt werden muss. Der Nachwuchs liegt mir sehr am Herzen. Wir wollen schauen, dass wir noch mehr Kinder für die Leichtathletik begeistern.
Wie wichtig wären Olympische Spiele für die Sportlandschaft in Deutschland?
Ich habe so viel Zeit meines Lebens im Olympiapark verbracht, und der Spirit von den Spielen 1972 wirkt immer noch nach. Eine weitere Ausrichtung wird nicht nur im Sport viel bewegen, sondern in der ganzen Gesellschaft. Ich habe die Europameisterschaft in München erlebt, diese Momente werde ich nie wieder vergessen. München ist sportbegeistert und bietet dem Sport eine tolle Bühne.
Mit Munich Athletics gibt es Konkurrenz, zwei Trainingsgruppen sind gewechselt. Sehen Sie das als große Herausforderung?
Ich komme aus dem Leistungssport, ich sehe das eher als Ansporn (lacht). Ich finde jedes Engagement im Sport wichtig. Man sollte schauen, dass Synergien geschaffen werden. Es ist keinem geholfen, wenn man da mehr Konkurrenz draus macht als notwendig. Eins ist ganz klar: Wir wollen definitiv für sämtliche Leistungsklassen ein attraktiver Verein bleiben.
INTERVIEW: NICO-M. SCHMITZ