Äußerst beliebt: Unter seiner Ägide holte Schweden 32 WM- und Olympia-Medaillen. © BERGELD/Imago
Bleibt für mindestens vier weitere Jahre Schwedens Cheftrainer: der 32-jährige Münchner Johannes Lukas. © ZERMAN/Imago
München/Otepää – Wer Johannes Lukas mit dem schwedischen Team oder den Journalisten reden hört, der kommt nicht darauf, dass der 32-Jährige eigentlich Münchner ist. Zu perfekt parliert der Biathlon-Coach aus dem Süden mittlerweile die Sprache der Nordländer. „Wenn ich den ganzen Tag Schwedisch spreche, fällt es mir manchmal sogar schwer, ins Deutsche zu wechseln“, sagt der gebürtige Großhaderner im Gespräch mit unserer Zeitung.
Die Situation wird sich vorerst nicht ändern. Die internationalen Lockrufe, auch aus Deutschland, waren groß. Aber Lukas bleibt seiner zweiten Heimat treu und hat einen neuen Vierjahresvertrag unterschrieben. „Es spricht einfach nichts dagegen, dass ich Schweden verlasse. Aktuell ist das für mich noch der beste Weg“, erklärt der begehrte Trainer, und ergänzt: „Ich habe jedes Mal Bock, dorthin zu fliegen.“
Bei den Tre Kronor, die in Östersund mit einem rund zehn Millionen Euro teuren Funktions- und Trainingsgebäude in ihre Zukunft investieren, atmet man auf. Anna Magnusson, die bei Olympia auf den Chef angesprochen, Tränen vergoss, findet die Entscheidung „unglaublich gut für das Team“ und „richtig“. Hanna Öberg konnte und wollte sich nur schwer vorstellen, wer ihn ersetzen sollte, und war genauso „froh, dass er bleibt“, wie Sebastian Samuelsson. Dieser Zuspruch habe ihm bei der internen Verkündung zusätzlich „viel Energie gegeben“, so Lukas.
Vor zehn Jahren von Wolfgang Pichler in Schweden installiert und seit 2019 als Chef tätig, arbeitet Lukas mit vielen seiner Athleten sehr lange zusammen. Bei einigen, so schätzt er, dauert die Karriere noch „zwei bis vier Jahre“. Nach den Olympischen Spielen in den französischen Alpen 2030 wird also neu verhandelt. Womöglich auch mit dem Deutschen Skiverband, der gestern in Rückkehrer Bernd Eisenbichler seinen neuen und alten Sportdirektor vorstellte. Vorerst liegt es an dem 50-Jährigen, der das Amt als Vorgänger des zur IBU wechselnden Felix Bitterling bekleidet hatte, den mental angeschlagenen DSV-Haufen wieder in die Spur zu bringen. Noch nicht bei den letzten beiden Weltcups am Donnerstag in Otepää (Estland) und eine Woche später in Oslo (Norwegen). Aber im nächsten Winter.
Auf der Stelle bleiben, das will auch Lukas nicht – trotz 32 WM- und Olympia-Medaillen unter seiner Leitung. In der kommenden Saison plant er im Team „neue Reize“ zu setzen und andere „Strukturen zu testen“. Ein Beispiel: Sebastian Samuelsson (28), seit fast zwei Jahren Papa, und ein 20-jähriger Nachwuchsmann? Benötigen unterschiedliche Trainingspläne. Dafür bastelt Lukas schon jetzt an diversen Excel-Tabellen.
Eine Stelle als Sportdirektor hätte ihn derzeit nicht gereizt, dafür ist die Trainer-Leidenschaft zu groß. Deutschland bleibt aber natürlich ein Thema. „Der DSV ist für mich in Zukunft immer interessant. Ich bin erst 32 Jahre alt und habe hoffentlich noch einige Jahre in der Biathlon-Welt vor mir.“ Noch hätten seine Frau Maria und er aber entschieden, dass die berufliche Situation auch privat gut zu händeln ist.
Die Hochzeit der beiden im Sommer 2024 fand übrigens auf der Herreninsel am Chiemsee statt. Typisch bayerisch. In Tracht. Auf seine erste Heimat freut sich Lukas nach vielen Wochen Reisen, Weltcups und Olympia schon jetzt. Dann klappt der sprachliche Wechsel wieder leichter. Auch in den Dialekt. „Des kriagn mia scho hin“, sagt Lukas und lacht.MATHIAS MÜLLER