Ein 17-minütiger Horror-Film

von Redaktion

„Karriere zerstört“ – Tottenhams Torwart Kinsky erlebt Debakel

Kinsky wurde bei der Auswechslung getröstet. © Soriano/AFP

Weggerutscht: Nach sechs Minuten der erste Gegentreffer. © Soriano/AFP

Madrid – Nach 17 verheerenden Minuten war das Horror-Debüt von Antonin Kinsky beendet. Mit versteinerter Miene verließ der junge Keeper den Platz, begleitet von höhnischem Applaus der gegnerischen Fans im Metropolitano. Umgehend verschwand der Unglücksrabe von Tottenham Hotspur nach seinen fatalen Patzern in den Katakomben – viel schlimmer hätte sein erster Auftritt in der Königsklasse kaum verlaufen können.

Das Mitleid war Kinsky nach dem 2:5 (1:4) im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Atletico Madrid sicher. „Mein Herz bricht für ihn“, sagte der ehemalige englische Nationaltorhüter Joe Hart bei TNT Sports: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich bin einfach nur untröstlich für den Jungen.“

Interimstrainer Igor Tudor hatte den 22 Jahre alten Tschechen statt Stammkeeper Guglielmo Vicario in die Startelf beordert. Doch ab der sechsten Minute nahm das Unheil seinen Lauf: Kinsky rutschte mit Ball am Fuß weg, Marcos Llorente nutzte diesen ersten dicken Fehler zur Führung für die Spanier. Vor dem 2:0 durch Antoine Griezmann (14.) rutschte dann Abwehrspieler Micky van de Ven aus und ließ seinen Schlussmann allein. Nur 30 Sekunden später trat Kinsky bei einem Passversuch neben den Ball, Julian Alvarez schlug eiskalt zu (15.) – und der persönliche Albtraum des Debütanten hatte ein frühes Ende.

Vicario kam, Kinsky ging und wurde auf dem Weg in den Bauch des Stadions vom Staff und Mitspielern getröstet. „Ich bin seit 15 Jahren Trainer und habe so etwas noch nie gemacht. Es war notwendig, um den Spieler und die Mannschaft zu schützen“, sagte Tudor im Anschluss.

Das sahen zahlreiche Experten anders. Der Vorgang sei „niederschmetternd“ für Kinsky, kritisierte der frühere Tottenham-Torwart Paul Robinson bei BBC Radio 5 Live. Der ehemalige ManUnited-Keeper Peter Schmeichel monierte, dass Kinsky mindestens bis zur Halbzeit hätte unterstützt werden sollen: „Tudor hat seine Karriere komplett zerstört.“

Der Kroate, der im Februar auf Thomas Frank gefolgt war, verteidigte im Nachhinein seine Wahl. Im Vorfeld sei es mit Blick auf die aktuelle Situation der Spurs „die richtige Entscheidung“ gewesen. Vicario stehe in einem anderen Wettbewerb „unter Druck“ und Kinsky sei „ein sehr guter Torwart“, sagte Tudor, der nach bislang drei Liganiederlagen und der Blamage in der Königsklasse zunehmend unter Beobachtung steht.

Die englische Presse jedenfalls sah die Spurs nach dem Debakel von Madrid schon dem Untergang geweiht. Wenn der Auftritt im Metropolitano der Testlauf des Tabellen-16. für den Abstiegskampf in der Premier League gewesen sei, schrieb der Guardian, dann könne man nur zu dem Schluss kommen, dass „der Abgrund“ sich öffne. Klingt düster.DPA

Artikel 1 von 11