Harter Zusammenprall in der Nachspielzeit: Jonas Urbig fällt mit Verdacht auf Gehirnerschütterung vorerst aus. © Maraviglia/EPA
Bergamo – Jonas Urbig konnte mit an Bord gehen, immerhin. Denn die Nacht zuvor war ganz und gar nicht so gelaufen, wie sich der Keeper des FC Bayern das vorgestellt hatte. Während seine Teamkollegen zum Mitternachtssnack eingeladen waren, hatte Urbigs Weg direkt vom Feld ins Krankenhaus geführt. Zu hart war der Zusammenprall beim Gegentor in der Nachspielzeit gewesen. Direkt nach der Landung in München wurde er erneut gecheckt, bei Verdacht auf Gehirnerschütterung ist nicht zu spaßen. Nicht in dieser Nacht und auch nicht in den nächsten Partien, die nicht nur ohne den Stamm-, sondern wohl auch ohne Ersatzkeeper überstanden werden müssen.
Am Samstag (15.30 Uhr) in Leverkusen wird Urbig definitiv fehlen, auch das Achtelfinal-Rückspiel am kommenden Mittwoch (21 Uhr) dürfte noch zu früh kommen. Und so rückt mit Blick auf Manuel Neuers verletzte Wade und Urbigs Brummschädel tatsächlich Sven Ulreich nochmal ins Rampenlicht. Zuletzt im September 2024 (!) hat der dritte Mann in der Torwart-Hierarchie auf dem Feld gestanden, nun muss er aus dem Nichts da sein. Immerhin in Partien, die mit elf Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze der Liga und einem 6:1-Puffer aus Bergamo nicht mehr ganz so brisant sind, wie sie eigentlich hätten sein können.
Die Bayern sind voll im Soll, und trotzdem mischten sich in die Reaktionen nach dem Kantersieg auch eine Menge Sorgen. „Man könnte voller Euphorie sein. Das war es jetzt nicht“, sagte etwa Joshua Kimmich. Denn nicht nur Urbig, sondern auch Jamal Musiala und Alphonso Davies hatten die 90 Minuten ja nicht verletzungsfrei überstanden. Am wenigsten Bedenken hatten die Bayern um Torschützen Musiala, der wegen Schmerzen am operierten Knöchel kurz vor Schluss Feierabend machte („Vorsichtsmaßnahme“). Deutlich mehr Mitleid hörte man aus den Worten heraus, die über Davies verloren wurden. Kimmich beschrieb die Gemütslage des Kanadiers als „fix und fertig“. 25.000 Zuschauer hatten die Tränen gesehen, unter denen der Kanadier 26 Minuten nach seiner Einwechslung das Feld wieder verlassen hatte. Auf der Tribüne mussten auch Davies‘ Eltern Debeah und Victoria verfolgen, wie ihr Sohn bei seinem Comeback den nächsten herben Rückschlag erlitt. Am Mittwoch ging es vom Flughafen im Lamborghini direkt zum MRT. Auch Musiala wurde nochmal gecheckt. Anschließend folgten die Diagnosen: Davies erlitt eine Zerrung der hinteren Oberschenkelmuskulatur. Bei Musiala wurde eine „Schmerzreaktion im linken Sprunggelenk“ festgestellt. Das Duo müsse – wie Urbig – „zunächst“ pausieren, teilten die Bayern mit.
„Jeder Sportler, der aus so einer Verletzung kommt, weiß: Das ist extrem frustrierend“, sagte Max Eberl. Schon in der Kabine hatte Davies eine Bandage um seinen erneut betroffenen Oberschenkel, die warmen Worte der Mitspieler nahm er dankend an. Auch er selbst weiß ja, was Kimmich aussprach: dass es „normal“ nach einer langen Verletzung sei, „dass der Körper auf Belastung reagiert“. Dass dieser Muskel aber immer wieder derart zickt, dass er nach seinem Kreuzbandriss nie in den Rhythmus kommt, tut dennoch weh. Immerhin: In der Reha ist Davies nun in guter Gesellschaft. Und Eberl kündigte an, was man glauben kann: „Wir werden ihn auffangen, wir werden ihn tragen – wir werden ihn brauchen bis zum Ende der Saison.“ Bis zum Viertelfinale soll der Brummschädel weg sein – und alle Tränen getrocknet.H. RAIF, P. KESSLER