Olise bejubelt das 5:0 (64.). © Pizzoli/AFP
Überragender Akteur: Gnabry zum 3:0 (25.). © Ricci/dpa
Schlusspunkt: Musiala trifft zum 6:0 (67.) und ist einen Schritt schneller als Diaz. © Bruno/dpa
Ab ins lange Eck: Olise trifft mit einem überlegten Schlenzer zum 2:0 (22.). © Maraviglia/EPA
Stanisic: Das 1:0 (12.). © Suarez/EPA
Kane-Ersatz Jackson erzielte das 4:0 (52.). © Maraviglia/EPA
Bergamo – Die Villa Moroni vor den Toren Bergamos ist idyllisch gelegen. Durch einen traumhaften Garten mit romantischer Beleuchtung liefen die Stars des FC Bayern nach dem 6:1 (3:0) im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals, um sich in der mehrfach ausgezeichneten Hochzeitslocation des Jahres den verdienten Applaus der mehreren hundert Bankett-Gäste abzuholen. „Grazie mille“, sagte CEO Jan-Christian Dreesen, als er sich nach der Machtdemonstration auf europäischer Bühne an Vincent Kompany und sein Team wandte und die kleine Feierstunde nach Mitternacht eröffnete. Mit italienischen Leckereien auf dem Teller – und einem großen Traum im Kopf.
Es war „nur“ Atalanta Bergamo, es war „nur“ die erste Hälfte in der Runde der besten 16 Teams in Europa. Aber Dreesen sprach auch aus, was auf der Tribüne der „New Balance Arena“ in Norditalien viele gespürt hatten: „Wir saßen alle auf den Plätzen und waren tief beeindruckt.“ Beeindruckt von sechs Treffern durch Michael Olise (2), Josip Stanisic, Serge Gnabry, Jamal Musiala und Nicolas Jackson. Beeindruckt von sechs Ausrufezeichen an die ab dem Viertelfinale namhaftere Konkurrenz. Beeindruckt von mindestens sechs Gründen, die ein großes Hallelujah am Ende der Saison nicht unrealistisch scheinen lassen. Diese magische Nacht in Bergamo war geprägt von nahezu allem, was ein Spitzenteam auszeichnet: Kampfbereitschaft, Hunger, Qualität, Teamgeist, guter Führung und der nötigen Portion Demut.
Die ersten vier Gütekriterien hatte man auf dem Platz gesehen – und wie! „Das war die Leistung, die wir uns gewünscht haben“, sagte Kompany glücklich. Vor allem in der ersten Halbzeit, fasste Eberl treffend zusammen, „haben wir sie erdrückt und ihnen keine Luft zum Atmen gelassen“. Ab Minute fünf hatten die Bayern das Spiel in der Hand, drei Treffer vor der Halbzeit aber waren dem Star-Ensemble trotz des Fehlens von Harry Kane nicht genug: „Die Mannschaft hatte bis zum Ende Lust, wir haben nicht aufgehört.“ Aleksandar Pavlovic frohlockte: „Besser geht‘s fast nicht.“
Dass Kompany dennoch davon sprach, dass „wir noch zwei Tore mehr hätten schießen können“, charakterisiert ihn genau. In jedem Training „fordert er, ans Limit zu gehen“, sagte Eberl – das Ergebnis ist ein funktionierendes Team, das bereit für den ersten großen Wurf seit 2020 scheint. Mit dem Viertelfinale kann man schon planen, Eberl sprach von einem „sehr großen Schritt“. Und auch wenn der BVB im Playoff-Rückspiel trotz eines Zwei-Tore-Vorsprungs in Bergamo noch unter die Räder kam, glaubt niemand, wirklich niemand mehr an ein Aus des FC Bayern.
Wie gut dieser Sieg allen tat, konnte man in allen Gesichtern sehen. Auch wenn die Augen bei der Rückreise am Mittwochvormittag noch klein waren, war die Brust nach der besten Saisonleistung noch breiter als zuvor. Eberl versuchte, zu bremsen: „Um die Champions League zu gewinnen, gehört noch ein bisschen mehr dazu.“ Ein ähnlicher Auftritt könnte aber auch gegen Real Madrid oder Manchester City im Viertelfinale zum Erfolg führen.
Noch ist zuvor ein Spiel zu spielen, daran erinnerte auch CEO Dreesen im malerischen Ambiente. „Die Tür ist weit offen, aber wir sind noch nicht durch“, rief er den mitgereisten Mitarbeitern, Freunden und Sponsoren zu – und versprach für das Rückspiel „Ernsthaftigkeit und Seriosität. Wir werden nicht Larifari spielen, das könnt ihr gar nicht.“ Darauf ein Rinderlachs-Carpaccio und ein Gläschen Rotwein – bella Italia!H. RAIF, P. KESSLER