2017 startete die Tour in Düsseldorf. © Thissen/DPA
Berlin – Ein Prolog vorbei am Fernsehturm und dem Reichstagsgebäude, ein Massensprint auf der Straße des 17. Juni und das Gelbe Trikot am Brandenburger Tor: Die Tour de France steht 40 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer vor der Rückkehr in die deutsche Hauptstadt. Die Pläne für den ersten Grand Départ in Deutschland seit Düsseldorf 2017 nehmen Gestalt an. Die Zuversicht, das wichtigste Radrennen der Welt 2029 nach Deutschland und Berlin zu holen, ist groß.
„Wir sind in sehr guten Gesprächen“, sagte Thomas Hofmann, der Vorsitzende des Vereins „Grand Départ Allemagne“. Der Tour-Veranstalter ASO rechne der deutschen Bewerbung „sehr, sehr gute Chancen für 2029 ein – wenn Berlin auf alle Fälle dabei ist“. Ursprünglich hatte die Initiative einen Tour-Start für das Jahr 2030 – und damit 40 Jahre nach der Wiedervereinigung – angepeilt. Die Pläne, das Rennen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen durchzuführen, sind nicht verworfen. Auf Wunsch der ASO soll Berlin aber eine zentrale Rolle spielen.
„Natürlich wäre eine deutsche Bewerbung mit Berlin stärker“, hatte Tour-Chef Christian Prudhomme bereits im Januar im Sportschau-Interview gesagt: „Für mich als Franzosen und für viele andere Europäer hängt dieses Ereignis vor allem mit dem Fall der Mauer im November 1989 zusammen. Das wäre für mich ein sehr starkes Signal: Berlin 2029 und der Fall der Mauer 1989.“ Der Startschuss soll deshalb schon in drei Jahren fallen.
Die Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport hatte dem rbb im Februar bestätigt, dass entsprechende Rahmenbedingungen für ein Tour-Gastspiel geprüft würden: „Berlin als erneuter Startort der Tour de France würde die Bedeutung unserer Stadt für sportliche Großevents unterstreichen.“ Das Land Berlin sei „im Austausch mit den Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen“. Der Prüfprozess umfasse „auch die Erstellung eines Kosten- und Finanzierungsplans“.
Die Frankreich-Rundfahrt ist in ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte viermal in Deutschland gestartet, zuletzt 2017 in Düsseldorf. Zuvor waren Köln (1965), Frankfurt/Main (1980) und West-Berlin (1987) Gastgeber des Grand Départ.
Im Sommer startet die 113. Tour de France in Barcelona. 2027 findet der Grand Départ im schottischen Edinburgh statt, um den Startschuss 2028 streiten Luxemburg und Reims mit der französischen Region Grand Est. Als Konkurrenten für den 2029er-Auftakt gelten Slowenien, Heimat von Radsport-Dominator Tadej Pogacar, und die tschechische Hauptstadt Prag.
Die deutsche Bewerbung hat aber offenbar die besten Chancen. „Wir haben die bessere Story“, sagte Hofmann mit Blick auf das Mauerfall-Jubiläum. Noch im ersten Halbjahr 2026 soll die ASO die eingeforderten Bewerbungsunterlagen erhalten. Sollten die Bedingungen erfüllt sein, sei die ASO in ihrer Entscheidung „schon ziemlich klar, das muss man einfach sagen“, so Hofmann.
Berlin als Ausrichter des Grand Départ gilt als wahrscheinlichste Option.DPA