Bereit für die Playoffs: Der EHC Red Bull München. © Dietrich/RBM
München – Oliver David wirft nur einen kurzen Seitenblick auf den Pokal. Ist ja nur ein Duplikat der Meistertrophäe von 2016 im Foyer des Astor-Kinos.. Und der Mann hat ja seine eigene Mission. Zwei Spiele noch: Freitag (19.30 Uhr) gegen Straubing, Sonntag (14 Uhr) in Berlin – dann beginnen die Playoffs. In denen der Amerikaner den EHC Red Bull München wieder zum DEL-Champion machen will. Oder wie er sagt: „Wir wollen der Geschichte dieses Clubs ein weiteres Kapitel hinzufügen.“
Vermessen ist das nicht. Gut zehn Tage vor Beginn der K.o.-Phase zählen die Münchner zum Kreis der heißesten Favoriten. Dass das so ist, hat viel mit ihm zu tun. Der 46-jährige Kalifornier hat den EHC erfolgreich durch seinen Umbruch gefährt. Nun sagt er: „Wenn wir unser Spiel spielen, dann werden wir sehr schwer zu schlagen sein.“
Das hatte ihm vermutlich nicht jeder zugetraut, seit sich Red-Bull-Eishockeychef Christian Winkler bei seiner Trainersuche im Frühjahr zum Griff zum Schwesterclub Salzburg entschied. Viele hatten einen großen Namen erwartet. Eine Spielerlegende vielleicht. Doch Winkler nahm David. Einen Mann, der als Profi stets unter dem Radar geblieben war und der sein Heil lieber als Eishockey-Lehrer versucht hat. Von der kalifornischen Jugendliga bis zum Chef in Salzburg – David hat sich seine Karriere erarbeitet.
Oliver David ist ein moderner Trainer, der über den Tellerrand blickt, um sich weiterzuentwickeln. Neuseelands Rugby-Helden All Blacks haben es dem zweifachen Familienvater angetan. „Du kannst viel von anderen Sportarten lernen“, sagte er, „wenn du nur in der Eishockey-Blase bleibst, dann wirst du nicht lange Trainer sein.“
Seinen Münchner Profis hat er Grundwerte in die Saison mitgegeben, die aus den Clubinitialen RBM weiterentwickelt wurden. Respect, Believe und Mindset. Wobei man den Respekt als Grundpfeiler sehen muss, als Basis. Der Glaube an den eigenen Weg und die eigene Stärke ist etwas, was sich über die Saison mit den Erfolgen entwickelt hat. Das Mindset ist das Gedankengut des Champions. „Das ist wie ein Haus, das entsteht“, sagte er.
Es gefällt David, dass ihm der Verein die Wahrung seiner Spielidee auftrug. „Red Bull hat etwas, was im Eishockey selten ist: eine feste Idee, ein System für den ganzen Verein“, erklärte er. Der EHC-Coach wählt einen großen Vergleich: „Ein bisschen wie beim FC Barcelona.“
Die Sache scheint für ihn wie gemacht. Oliver David ist ein Systemcoach, ein Bessermacher, der seine Mission mit einer Mischung aus Überzeugung und Strenge verfolgt. Seine Spieler hat er längst überzeugt. So wie Konrad Abeltshauser, den nicht zuletzt Davids Liebe zum Detail fasziniert. „So war das auch beim Don“, wie das Verteidiger-Urgestein mit Blick auf Trainer-Übervater Jackson hinzufügte..
Wie man Meister wird, weiß auch Oliver David. Nach einem knapp verlorenen Finale in Biel-Bienne in der Schweiz führte er Salzburg zweimal zur Meisterschaft. In allen drei Jahren ist ihm eine Gemeinsamkeit aufgefallen. „Du musst natürlich top vorbereitet sein. Aber da ist etwas, was du spürst bevor du es siehst“, sagte er. Es ist diese spezielle Magie, diese Welle, auf der erfolgreiche Teams am Ende durch die Playoffs reiten. Oliver David wird bestimmt genau hinschauen in den nächsten Tagen.PATRICK REICHELT