München – Am Ende hatte Pablo Laso noch ein paar feine Frotzeleien parat. Klar, der Spanier war bestens gelaunt nach diesem Spiel beim FC Bayern, bei dem er selbst nicht so genau wusste, wie er es mit Efes Istanbul noch hatte gewinnen können. In der allerletzten Sekunde hatte sich der frühere Euroleague-Champion mit dem 81:80 seine einzige und letztlich entscheidende Führung geschnappt.
Auf der Gegenseite nahm man die gute Laune des Ex-Münchners mit gequältem Lächeln zur Kenntnis. Ok, Bayern-Trainer Svetislav Pesic gab sich zumindest kämpferisch. „Unsere Chance war von Anfang an nicht groß“, sagte der 76-Jährige, „aber es ist nicht vorbei.“ Ok, über letzteres kann man angesichts von vier Siegen Rückstand auf Platz zehn bei sieben ausstehenden Spielen geteilter Meinung sein – so ansehnlich sich Pesics persönliche Euroleague-Bilanz von 8:5-Siegen mit den Bayern 2026 auch liest.
Man droht, im Niemandsland der Saison zu versinken. In Europa geht es wenigstens noch darum, sich im Gespräch zu halten. In der Bundesliga warten noch zwölf Spiele bis zu den Playoffs. Und, vorsichtig gesagt, nicht jedes hat den Zündstoff wie die Pokal-Revanche am Sonntag (18 Uhr) in Bamberg. Es wird interessant zu sehen sein, wie der strenge Coach seinen Kader auf Touren hält.
Aber irgendwie passte die Niederlage gegen Lasos Istanbuler ins Bild dieser Spielzeit. Man war oft nahe dran und griff fast ebenso oft beherzt daneben. Der letztlich verkorkste Abend vor knapp 10.000 Fans trug am Ende ausgerechnet den Namen des Topscorers. Xavier Rathan-Mayes (15 Punkte) dribbelte sich in den Schlusssekunden erst selbst den Ball aus der Hand, dann ließ er sich in der Defensive theatralisch fallen und riss damit die Lücke, die Cole Swider zum entscheidenden Dreier mit der Schlusssirene nutzte.
Einmal mehr nicht unbedingt ein Bewerbungsschreiben des oft unglücklich spielenden Kanadiers. Man ahnt: Es wird eine der Positionen sein, auf der die Münchner Macher ansetzen werden, wenn es darum geht, kommende Saison tatsächlich– wie angekündigt – wieder im Vorderfeld der Euroleague anzugreifen. Rathan-Mayes Vertrag läuft ebenso aus, wie die Papiere von David McCormack, Leon Kratzer, Nenad Demitrijevic oder auch dem zunehmend verletzungsanfälligen Stefan Jovic. Wirklich zur Weiterbeschäftigung aufgedrängt hat sich aus diesem Kreis in dieser Berg- und Tal-Spielzeit keiner.
Es wird vermutlich auch vom zukünftigen Coach abhängen. Feuerwehrmann Pesic wird sich wohl in die zweite Reihe zurückziehen. Wer kommt, ist offiziell noch offen. Dem Vernehmen nach richten sich die Blicke der Verantwortlichen, kaum überraschend, in Richtung Serbien. Aber wer weiß, vielleicht wird ja auch Vasililis Spanoulis noch einmal zum Thema. Die griechische Basketball-Legende gehörte vor zwei Jahren ja schon einmal zu den heißen Bayern-Kandidaten. Und seit Neuestem ist Spanoulis auch wieder frei – erst vor wenigen Tagen warf der 43-Jährige einigermaßen entnervt bei der schwer angeschlagenen AS Monaco hin.PATRICK REICHELT