Schörghuber für Reiter?

von Redaktion

Unternehmerin könnte in den Aufsichtsrat der Bayern rücken

Dieter Reiter legt sein Amt nieder, nun könnte die Stunde von Alexandra Schörghuber schlagen. © Feil/DPA

München – Sucht man auf der Homepage des FC Bayern dieser Tage die Mitglieder des Verwaltungsbeirats, findet man an der Stelle des Vorsitzenden nicht mehr den Namen Dieter Reiter, sondern die beiden Buchstaben „n.n.“. Die Abkürzung steht für „Nomen nominandum“ und heißt, dass die Stelle noch zu besetzen ist. Mit wem? Höchstwahrscheinlich mit einem bestehenden Mitglied aus dem Beratungsgremium – und womöglich sogar mit einer Frau.

Die Bayern halten sich seit Mittwoch vornehm zurück mit Wortbeiträgen zur Causa Reiter. Natürlich wussten sie schon Bescheid, als sich der Reisetross noch in Bergamo befand, Münchens Oberbürgermeister hatte den Verein vorab über seine Entscheidung, von allen Ämtern zurückzutreten, informiert. Man bedauert den Schritt, ohne ihn öffentlich zu bewerten. Aus dem Verein ist zu hören, dass man Reiter enorm geschätzt hat, für seine Liebe zum FC Bayern, für seine Expertise. Er wird fehlen im Gremium, dem er seit 2017 angehörte. In die Verantwortung rücken nun andere aus dem seit Mittwoch mit elf Mitgliedern besetzten Gremium.

Neun bis 15 Personen müssen dem Verwaltungsbeirat angehören, einen Nachrücker also muss es für Reiter nicht geben. Aber der Posten als Vorsitzender – und somit als geborenes Mitglied im Aufsichtsrat – soll zeitnah nachbesetzt werden. Sowohl er als auch sein Stellvertreter wird aus der Mitte des Gremiums gewählt, es ist also ein offenes Rennen. Und dennoch schiebt sich die derzeitige Stellvertreterin Alexandra Schörghuber naturgemäß jetzt besonders in den Fokus.

Die 68-jährige Unternehmerin sitzt bereits seit 2013 im Verwaltungsbeirat und ist seit 2016 Stellvertreterin. Unter dem heutigen Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber beriet sie das Präsidium des e.V. stets kompetent und vertrauensvoll. Sie liebt den FC Bayern, ist fast bei jedem Heimspiel in der Allianz Arena. Und man würde der Chefin des mächtigen Bau-, Brau- und Hotelimperiums unter dem Namen „Schörghuber Unternehmensgruppe“ sicher auch zutrauen, Reiters Posten zu übernehmen. Heißt konkret: dem Verwaltungsbeirat vorzusitzen – und als geborenes Mitglied des Aufsichtsrats auch in das mächtigste Gremium der AG aufzurücken. Dorthin also, wo noch nie eine Frau saß.

2023 sagte Herbert Hainer über Schörghuber und Stoiber: „Beide sind dank ihrer starken Persönlichkeiten, ihrer Vita und ihrer Expertise bestens geeignet, um die Richtung vorzugeben.“ Drei bis vier Mal im Jahr tagt der Verwaltungsbeirat. Findet die interne Wahl nicht vor Mai statt, dürfte Schörghuber so oder so ihr Aufsichtsrats-Debüt geben. In der Satzung nämlich heißt es unter Paragraph 17, Punkt 5: „Ist der Vorsitzende an der Wahrnehmung des Aufsichtsratsmandats auf Dauer verhindert, so tritt sein Stellvertreter an seine Stelle.“ An der Seite von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge könnte Schörghuber dann unter anderem über eine mögliche Vertragsverlängerung von Max Eberl mitentscheiden.

H. RAIF, P. KESSLER, V. TSCHIRPKE

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