Was dürfen die Sprecher?

von Redaktion

Nach Eklat in Köln: DFB hört im Stadion jetzt genau hin

Aufreger: Kölns Michael Trippel. © Vennenbernd/dpa

Michael Trippel dürfte erleichtert sein, dass der 1. FC Köln am Samstag auswärts spielt. Eine Woche nach seinen umstrittenen Äußerungen entgeht der Stadionsprecher damit dem direkten Rampenlicht. Fans sowie der DFB werden in den Stadien genau hinhören.

Wieso stehen Stadionsprecher plötzlich im Fokus?

„Pfui. Widerlich.“ Diese Worte sprach Trippel gegen den BVB ins Mikrofon und sorgte damit für einen Eklat. Der 71-Jährige hatte wegen eines Platzverweises gegen Jahmai Simpson-Pusey und später wegen eines nicht geahndeten Handspiels im BVB-Strafraum die Stimmung im Stadion angeheizt.

Was sagt das Regelwerk?

Durchsagen müssen neutral sein. Während des Spiels informieren die Sprecher etwa über Tore, Auswechslungen oder Abreisemöglichkeiten. Auch Sicherheitsdurchsagen, die in kritischen Situationen zur Deeskalation beitragen sollen, gehören zum Jobprofil. Als Qualifikation wird unter anderem „diplomatisches Geschick“ aufgeführt.

Wie sieht die Realität in den Stadien aus?

Die Vorgabe, die Lautsprecher nicht zur Unterstützung der Heimmannschaft zu nutzen, wird quasi durchgehend missachtet. Legt man die Regel streng aus, ist der gängige Torschrei, das dreimalige Ausrufen des Torschützen oder die Aufforderung an die eigenen Fans, ihr Team anzufeuern, verboten. „Natürlich unterstützt man auch mal bewusst die Mannschaft, wenn sie es braucht“, sagt Stefan Schneider unserer Zeitung. Der 63-Jährige heizte als Stadionsprecher des TSV 1860 von 1992 bis 2021 den Löwen-Fans ein. „Dafür bist du ja da – und dafür lieben dich die Fans.“

Was sagen die Sprecher?

Larl König, bekannt als Lotto King Karl, war über ein Jahrzehnt beim HSV und verglich seinen Job einmal mit einer „großen, emotionalen“ Fernsehsendung. Für den Bremer Arnd Zeigler gehört zu den wichtigsten Aufgaben, in kritischen Situationen zur Deeskalation beizutragen: „Wenn die Emotionen hochkochen, musst du dir bewusst sein, dass du für alles, was danach passiert, eine gewisse Mitverantwortung trägst.“ ULK, PK

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