Nach Sichtung der Bilder zückte er gegen Jackson glatt Rot. © Fassbender/AFP (2)
Brennt weiter für den FCB: Uli Hoeneß. © Hirnschal/Imago
Dingert erklärt Jackson seine Entscheidung.
Schiedsrichter Christian Dingert musste mehrmals zum Monitor und knifflige Entscheidungen treffen. © Müller/Imago
Leverkusen/München – Eine kleine Retourkutsche hatten sich die Leverkusener Fans noch aufgehoben: „Ungeschlagen Meister, nur der SVB“, schallte es durch die Bayer-Arena am Samstag, nachdem sich die Werkself und der FC Bayern mit 1:1 getrennt hatten.
Es diente als Provokation und Fingerzeig des Heimpublikums, dass ihre Mannschaft vor zwei Jahren ohne Niederlage durch die Saison gegangen ist, was dem deutschen Rekordmeister auch in dieser Spielzeit nicht gelingen wird. Dass die Fans diese Spitze überhaupt nötig hatten, lag aber schlicht an der Tatsache, dass sich das Remis am Samstag für Leverkusen wie eine Niederlage angefühlt haben muss – und für den FC Bayern wie ein Sieg. „Wir haben mit 1:1 gewonnen“, erklärte daher auch Max Eberl nach Abpfiff. Schließlich musste der Rekordmeister die Partie zu neunt beenden und ab der 84. Minute das Unentschieden in doppelter Unterzahl über die Zeit retten.
Doch was war passiert? Zunächst sah Nicolas Jackson für ein grobes Foulspiel einen Platzverweis (siehe Text links), in der Schlussphase bekam dann Luis Diaz für eine vermeintliche Schwalbe die Gelb-Rote Karte, obwohl er von Bayer-Torwart Blaswich getroffen wurde. Zwar lässt sich darüber diskutieren, ob dieser Kontakt elfmeterwürdig war – eine Schwalbe war es jedoch nicht, was auch die Tatsache zeigte, dass Diaz selbst direkt nach der Aktion aufstand und keinen Strafstoß forderte. „Am schlimmsten ist Lucho Diaz! Wieso er die Gelb-Rote Karte bekommt, das weiß keiner im Stadion heute. Das ist Wahnsinn“, schimpfte daher auch Vincent Kompany über die Entscheidung.
Schiedsrichter Christian Dingert erklärte nach der Partie selbst, dass er nach Ansicht der TV-Bilder keine zweite Verwarnung an Diaz ausgesprochen hätte, der VAR allerdings nur bei einer glatt Roten Karte hätte eingreifen können. Unabhängig von dieser kniffligen Entscheidung entschied der Schiedsrichter jedoch auch darüber hinaus viele Aktionen gegen die Bayern, nahm zwei vermeintliche Ausgleichstreffer von Jonathan Tah und Harry Kane jeweils wegen Handspiels zurück.
Am deutlichsten regte sich Uli Hoeneß über die Linie des Referees auf: „Das ist die schlechteste Leistung eines Schiedsrichter-Teams, die ich je bei einem Bundesligaspiel erlebt habe“, sagte der Ehrenpräsident gegenüber der „Bild“-Zeitung. Immerhin: Auf die Meisterschaft dürften die Punktverluste kaum eine Auswirkung haben. Der FCB thront weiterhin mit neun Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze.
Und möglicherweise könnte das Erfolgserlebnis, selbst zu neunt eine Führung gegen Leverkusen zu verteidigen, das Team am Ende mehr zusammenschweißen, als es ein ungefährdeter Erfolg gegen die Werkself getan hätte. „Wir sind stolz auf unsere Leistung. So etwas kann wichtig sein für eine Saison“, erklärte Kompany. „Solche Momente kommen in einer Saison mit 50 Spielen, da kann man etwas zeigen – und das haben die Jungs heute gemacht.“VINZENT TSCHIRPKE