Eingespieltes Torwartteam: Manuel Neuer und Jonas Urbig – offen ist nur, wer künftig die Nummer eins ist. © Philippe Ruiz
Held des Tages: Das Team feierte den Torwart. © Imago
Nichts verlernt: In seinem ersten Pflichtspiel seit September 2024 glänzte Sven Ulreich mit starken Paraden. © NEUNDORF / epa
München – Diesen Moment hatte sich Sven Ulreich redlich verdient: Nach dem 1:1 in Leverkusen wurde der Torwart von der Mannschaft noch mal alleine vor die mitgereisten Fans geschoben, damit er sich den Sonder-Applaus der FCB-Anhänger abholen konnte.
Es wirkte, als wäre es Ulreich fast unangenehm, derart im Fokus zu stehen, dabei war es der Keeper, der mit zahlreichen starken Paraden zuvor den Münchnern den Punkt gesichert hatte. Für den Torwart war es der erste Einsatz im Bayerntor seit September 2024 – und die erste Partie nach dem Tod seines Sohnes im vergangenen Jahr, den Ulreich und seine Ehefrau im August öffentlich gemacht hatten. Sein Mitspieler Josip Stanisic fand daher nach der Partie berührende Worte: „Ein großes Kompliment an Ulle. Jeder, der seinen Weg kennt, weiß, dass er nicht nur als Fußballer überragend ist. Er ist ein Wahnsinnstyp, dem ich nichts mehr gönne als einfach nur Glück in seinem Leben“, erklärte der Abwehrspieler. „Jeder, der Kinder zu Hause hat, weiß, wie schwer das sein muss, was er und seine Familie da durchleben. Dass er dann heute so für uns da ist, ist einfach nur unglaublich.“ Max Eberl ergänzte: „Nach dem, was er erlebt hat, und dann ein paar Jahre nicht gespielt hat: Ulle, man of the match. Die Mannschaft hat Ulle gefeiert, berechtigterweise.“
Ulreich selbst sprach von einem „besonderen Spiel“ für ihn und wurde – so wie es im modernen Fußball üblich ist – prompt auch nach seiner eigenen Zukunft gefragt. Schließlich läuft der Vertrag des Keepers im Sommer aus, Ulreich und der Rekordmeister würden aber beide gern ein Jahr dranhängen. „Ich kann mir gut vorstellen, dass ich noch ein Jahr mache. Die Aufgabe, die ich im Torwart-Team habe, passt für mich und die macht mir auch Spaß“, erklärte Ulreich. Je nachdem, ob Manuel Neuer ebenfalls verlängert, würde sich bei den Münchnern im Sommer höchstens auf der Position des Stammtorwarts und der etatmäßigen Nummer zwei etwas tun. Ulreich ist als Nummer drei aber intern sehr geschätzt.
Einen Wermutstropfen hatte sein Comeback in Leverkusen allerdings: Der Torwart zog sich einen Muskelbündelriss in den rechten Adduktoren zu und verpasst nun einen zweiten Einsatz im Achtelfinalrückspiel gegen Bergamo am Mittwoch (21 Uhr, DAZN). Sollte Jonas Urbig nach seiner Gehirnerschütterung nicht rechtzeitig fit werden, könnte der erst 16-Jährige Leonard Prescott zu seinem Profi-Debüt kommen.VINZENT TSCHIRPKE