ZUM TAGE

Wie wär‘s mit Reklame in der VAR-Pause?

von Redaktion

Video-Assistent mit Systemfehlern

Es gab mal eine Zeit, da entstand in einigen Teilen Fußballdeutschlands so etwas wie Euphorie, als sie an den Videobeweis dachten: Die Einführung des VAR war mit der Hoffnung verbunden, weniger Diskussionen um vermeintliche und faktische Fehlentscheidungen führen zu müssen. Wenn noch eine zweite Instanz draufschaut, können nicht mehr so viele Fehler entstehen, oder?

Knapp neun Jahre später erweist sich diese Hoffnung als fatal gescheitert. Neben allen anderen negativen Effekten hat der VAR Spielern und Fans auch den schönsten Moment dieses Sports genommen: den unbeschwerten Torjubel. Und auch die Diskussionen sind nicht weniger geworden – im Gegenteil, sie haben sogar zugenommen.

Kaum ein Wochenende vergeht ohne Debatten über die Schiedsrichter und den Videobeweis, was an einem Fehler im System liegt: Bei der Partie Leverkusen gegen Bayern sah beispielsweise Luis Diaz die Gelb-Rote Karte für eine vermeintliche Schwalbe, dabei wurde er aber tatsächlich vom Torwart getroffen. Der Videobeweis durfte aber nicht eingreifen, weil Diaz „nur“ Gelb sah – was in Anbetracht dessen, dass er dadurch trotzdem vom Feld musste, eine ziemlich dürftige Begründung ist.

Zumindest diese Fehleinstellung erübrigt sich ab Sommer, in der neuen Spielzeit bekommt der VAR noch mehr Befugnisse. Das ist allerdings der falsche Weg: Noch mehr Macht für den Videobeweis zerstückelt das Spiel nur noch mehr. Wenn in der Zukunft tatsächlich neben der zweiten Gelben Karte auch noch Eckbälle überprüft werden, droht sich der Fußball weiter von den Interessen der Fans abzuwenden.

Und man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um zu ahnen, was Fernsehzuschauern langfristig droht: Immer mehr Unterbrechungen sorgen für mehr mögliche Werbepausen – und damit mehr TV-Gelder, die generiert werden könnten. Wir alle können uns also darauf freuen, irgendwann eine McDonald‘s-Werbung zu sehen, während gerade ein Eckball überprüft wird. Schöne neue Fußballwelt.

VINZENT.TSCHIRPKE@OVB.NET

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