Kapitäne der Skyblues: Silva übernahm 2019 die City-Binde von Kompany (li.).
Legende: Silva auf Mission für Enterprise Rent-A-Car.
Königlicher Jubel im Hinspiel: Real entschied das erste Duell gegen Manchester City mit 3:0 für sich. © MARCOU/AFP
David Silva ist eine lebende Legende. Der spanische Welt- und Europameister, der vor knapp drei Jahren bei Real Sociedad San Sebastián seine Schuhe an den Nagel hing, verbrachte den Großteil seiner ruhmreichen Karriere bei Manchester City. Aktuell ist der 40-Jährige ein Gesicht der Real-Club-Legends-Kampagne des Autovermieters Enterprise Rent-A-Car. Die Initiative rückt die treuen Fans und stillen Helden des Sports in den Vordergrund. Im Interview mit unserer Zeitung spricht der ehemalige Mittelfeldspieler über das Rückspiel zwischen den Citizens und Real Madrid, die Bayern und seinen früheren City-Kollegen Vincent Kompany.
Herr Silva, was macht das Leben?
Ich genieße es aktuell sehr, mehr Zeit für Freunde und Familie zu haben und nicht mehr ständig unterwegs zu sein. Neulich war ich aber in Argentinien bei einem Boca-Spiel, da hat es mich schon wieder gejuckt.
Enterprise Rent-A-Car ist offizieller Partner der UEFA Europa League und Conference League. So mancher meint, die Europa League hätte an Wert verloren, weil seit der Reform keine Champions-League-Teams mehr absteigen?
Ich finde nicht. Wenn du in der Champions League ausscheidest, dann bist du eben raus. Es sollte auch keine zweite Chance mehr in der Europa League geben. Beide Modelle haben ihren Reiz, das aktuelle ist aber das logischste.
Lassen Sie uns über die Champions League und das 3:0 im Hinspiel zwischen Real Madrid und Manchester City sprechen.
Wir alle wissen doch: Kaum steht Königsklasse League an, verwandelt sich Real – ganz egal, ob es der Liga vielleicht nicht so läuft. Man hatte erwartet, dass City auswärts ein besseres Resultat holt, aber das Rückspiel steht noch aus. Ich hoffe, dass City ein frühes Tor erzielt und zurück ins Spiel findet.
Hat Sie Madrids Ansatz überrascht, in einem tiefen Block zu verteidigen, um dann schnell umzuschalten?
Real hat in den vergangenen Jahren oft so gespielt. Sie haben vorn unglaublich schnelle Spieler, die dich im Umschaltspiel killen. Deshalb fühlen sie sich in einem tiefen Block wohl. Es ist nicht unangenehm für sie, anders als zum Beispiel bei City, das einen ganz anderen Ansatz verfolgt. So ein System kann City Probleme bereiten, denn wenn sie mit dem Ball nicht sauber agieren, nicht schnell genug spielen und nicht in die Tiefe gelangen, kann Madrid sie jederzeit auskontern. Genau das ist passiert. Zu Hause wird es aber sicher eine andere Partie. City wird mehr Druck machen, mehr Chancen bekommen und, wenn sie diese nutzen, zurück im Spiel sein.
Real scheint den Dreh gegen Pep Guardiola rauszuhaben.
In der Champions League hat Real gegen eigentlich fast alle den Dreh raus, nicht nur gegen City. Selbst wenn Real kein überragendes Spiel macht, gewinnt es am Ende oft trotzdem. Sie haben vor allem in den Schlussminuten diese Drangphasen. Man denkt zunächst, jetzt passiert nichts mehr – und dann schlagen sie doch noch zu. City hätte es in den vergangenen Jahren auch oft verdient, weiterzukommen, aber so ist Fußball eben: Nicht immer kommt das Team weiter, das am besten gespielt hat.
Ist das Ding durch?
Nein, auf keinen Fall! Wenn City in den ersten Minuten Druck macht und trifft, sind sie sofort wieder im Spiel. Etwas anderes wäre es, wenn Real die ersten 25 Minuten ohne Gegentor übersteht und sich alles beruhigt. Aber wenn sie früh ein Tor kassieren …
Ein ehemaliger Mitspieler von Ihnen sorgt aktuell als Trainer für viel Aufsehen.
Helfen Sie mir auf die Sprünge, ich hatte viele Mitspieler. (lacht)
Der Cheftrainer von Bayern München?
Ah, Vincent (Kompany, d. Red.)! Man hat schon als Spieler gemerkt, dass er Trainer werden will. Er analysiert alles sehr genau, hat eine Ansprache, die die Spieler erreicht, und macht es insgesamt schon überragend. Er ist definitiv ein Kandidat auf den Champions-League-Titel. Es freut mich sehr für ihn.
Wie würden Sie Kompany beschreiben?
Er hat alles im Blick, denkt tiefgründig über die Dinge nach und arbeitet unglaublich hart. Vincent hatte schon immer das Zeug zum Trainer, und jetzt ist er zusätzlich bei einem Club wie Bayern gelandet, der es gewohnt ist zu gewinnen – eine ideale Kombination. Er ist jung, hungrig und achtet auf jedes Detail. Gleichzeitig gibt er seinen Spielern Vertrauen. Das merkt man daran, dass alle in dieselbe Richtung ziehen.
Gefallen Ihnen Kompanys Bayern ?
Na klar, wem nicht? (lacht) Diese Ergebnisse und diese Gier, immer noch einen draufsetzen zu wollen, sind schon ein sehr starkes Markenzeichen.
Vieles spricht für ein Viertelfinale zwischen Real und Bayern.
Da halte ich mich lieber noch zurück. Lassen Sie uns doch das Rückspiel abwarten – in der Champions League weiß man nie, was noch passiert. Ich hoffe, dass City das noch drehen kann. Real, Bayern und City gehören alle zu den Favoriten, aber jedes K.-o.-Duell ist unglaublich knifflig. Selbst Teams wie Bodö/Glimt, auch wenn es auf dem Papier vielleicht nicht so aussieht, machen einem das Leben enorm schwer.
INTERVIEW: JOSÉ CARLOS MENZEL LÓPEZ