Ein Negativrekord jagt den nächsten

von Redaktion

Biathleten droht beim Saisonfinale am Holmenkollen ein Fiasko – Disl wirft viele Fragen auf

Nicht nur Justus Strelow läuft seinen Ansprüchen hinterher. © Koksarov/Imago

Die Suche nach einer neuen deutschen Biathlon-Queen läuft. © Schmidt/dpa

Oslo – 63 Rennen, dabei kein einziger Sieg – und jetzt droht die historische Nullnummer: Der enttäuschende Winter des deutschen Biathlon-Teams gibt selbst einer der Allergrößten zu denken. „Es war nicht die Saison für die Deutschen“, sagt Uschi Disl vor dem Weltcup-Finale am Holmenkollen. Sorgen mache sich die zweimalige Olympiasiegerin und achtmalige Weltmeisterin zwar nicht. Aber: „Der Verband und jeder Athlet muss die Saison auswerten.“

Erstmals in der Weltcup-Geschichte könnte sich das Aufgebot des Deutschen Skiverbandes (DSV) ohne einen einzigen Sieg in die Sommerpause verabschieden. Ab Donnerstag warten in Oslo die letzten sechs Wettbewerbe, in denen das Team die Horrorbilanz auf der Zielgeraden der Olympiasaison noch abwenden kann. Viele Argumente für ein Happy End liegen nicht auf der Hand.

„Bei der norwegischen und französischen Dominanz ist es sehr schwierig, ganz vorne dabei zu sein“, sagt Disl: „Auch die anderen Nationen haben aufgeholt.“ Zwar habe es durch Philipp Horn und Philipp Nawrath, die neben Franziska Preuß für die einzigen Podestränge in Einzelrennen sorgten, „sehr gute Platzierungen“ gegeben. „Aber es hat leider nie alles zusammengepasst, dazu kamen vereinzelt immer wieder Krankheiten.“

Für „Turbo-Disl“, die den Spitznamen ihrer Geschwindigkeit in der Loipe zu verdanken hat, ist klar: Um in Zukunft wieder an die Erfolge vergangener Tage anknüpfen zu können, muss der DSV eine lange Liste an Fragen abarbeiten. „Gibt es strukturelle Gründe, sind es individuelle Ursachen? Wo bin ich besser geworden, wo habe ich mich verschlechtert, oder wo stagniere ich?“, sagt die 55-Jährige, die in ihrer Laufbahn 30 Einzelsiege gefeiert hat: „Wurde genug trainiert, zu viel trainiert oder falsch? Muss man individueller auf die Athleten eingehen? Ist das Material immer in Ordnung? Wie arbeiten alle zusammen?“

Bei den deutschen Biathletinnen setzt Disl auf „Zeit und Vertrauen“ in die Zukunftshoffnungen Selina Grotian (21), Julia Tannheimer (20) und Marlene Fichtner (23). Bei den Männern könne man derweil „überlegen, ob genügend junge Athleten ihre Chancen erhalten. Natürlich stellt sich auch die Frage, ob es ausreichend Talente gibt.“ Zumindest dürfen in Skandinavien neben Leonhard Pfund (22) nun auch Elias Seidl (21) und Franz Schaser (23) Weltcup-Luft schnuppern.

Unabhängig vom Ausgang der letzten Rennen ist klar, dass ein Umbruch stattfinden muss. Und so wird auf Bernd Eisenbichler, der zum 1. Mai zum DSV zurückkehren und Felix Bitterling als Sportdirektor ersetzen wird, viel Arbeit warten. Zumindest Disl hat die Hoffnung auf eine Rückkehr zum früheren Status quo noch nicht aufgegeben. „Ich bin der Überzeugung, dass über eine solide, ehrliche und offene Aufarbeitung der Saison, eher mindestens zwei Saisons, das deutsche Biathlon wieder erfolgreich sein wird.“SID

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