Flicks finaler Job

von Redaktion

Der 61-Jährige verlängert in Barcelona und sagt: „Das wird mein letzter Club“

Barcelonas Trainer Hansi Flick mit dem alten und neuen Präsidenten Joan Laporta am Wahlabend. © Estevez/EPA

Barcelona – In seinen vielen Liebeserklärungen an den FC Barcelona hat Hansi Flick hat vor einigen Monaten erwähnt, wie sehr die Anstellung am Mittelmeer seine Persönlichkeit durchgeschüttelt hat. „Dieser Klub hat mich komplett verändert“, sagte der 61-jährige Trainer: „Ich bin jetzt emotionaler.“

Was er am Sonntag erlebte, schien dann aber selbst dem neuen Hansi Flick arg leidenschaftlich zu geraten. Bei Barça standen Präsidentschaftswahlen an: ein im Fußball einmaliges Demokratiespektakel. Nach einer kontroversen Kampagnenwoche mit anderthalbstündigem TV-Duell als Höhepunkt war nun ein großes weißes Zelt am Stadion Camp Nou aufgebaut, in dem über hundert Wahltische die Mitglieder zur Stimmabgabe erwarteten. Amtsverteidiger Joan Laporta gab den Conférencier, Schaulustige im engen Pulk sangen die Vereinshymne und am Ende hüpften Funktionär und Profis miteinander im Kreis als stünden sie vor der Fankurve.

Wenig später tauchte auch Flick auf, warf seinen Wahlzettel ein und schäkerte mit Laporta. Der packte ihn für die Fotografen am Arm, reckte seinen Arm hoch wie ein Ringrichter beim Boxkampf und führte noch weitere Verbrüderungen im Schilde. Flick lächelte fast beschämt und machte sich los.

Das Bild mit dem erhobenen Arm war freilich aussagekräftig genug, es illustrierte die Schicksalsgemeinschaft zweier Männer. Laporta hatte Flick im Frühsommer 2024 aus der Arbeitslosigkeit geholt, als der Trainer nach der verunglückten Dienstzeit als deutscher Nationalcoach vielerorts als verbraucht galt. Flick beglückte Laporta dann als Architekt einer faszinierend sorglosen Mannschaft um den 18-jährigen Lamine Yamal, die nicht immer gewinnt, aber das Publikum immer berührt.

Selbst die Ältesten in Barcelona können sich kaum daran erinnern, dass ein Trainer in diesem streitbaren Klub jemals so unumstritten war. Kein Johan Cruyff, kein Pep Guardiola – Hansi Flick. Der Deutsche überzeugt allseits mit seiner väterlichen, aber fordernden Art gegenüber den Profis, der freundlichen Bescheidenheit nach außen – und seinem Zauber, alle Spieler besser gemacht zu haben. Im Wahlkampf war er Laportas großer Trumpf, der alle Sorgen um 2,5 Milliarden Euro Schulden und Kredite sowie die Verzögerungen beim Umbau des Camp Nou überlagerte.

Gegen Mitternacht stand Laporta dann mit 68,2 Prozent der Stimmen als neuer alter Präsident fest und ging seine Party so richtig los. Der charismatische Rechtsanwalt köpfte Sektflaschen, intonierte Fangesänge über Yamal, Flick und das an solchen Tagen immer noch sehr volksnahe Regionalheiligtum Barça. Wie bei ihm auch mit 63 Jahren noch üblich, endete die Fiesta erst in den Morgenstunden in seiner Stammdiskothek. Kurz vor fünf Uhr war es, als er sie verließ. Seine Mitarbeiter hatten zu diesem Zeitpunkt das abgemachte Radiointerview in Kataloniens wichtigstem Morgenprogramm „El Món a Rac1“ vorsorglich bereits von Montag auf Dienstag verschoben.

Als Laporta dann 24 Stunden verspätet am Mikrofon erschien, verkündete er sogleich eine anstehende Vertragsverlängerung von Flick. Bislang läuft sein Kontrakt bis 2027, Laporta möchte bis 2028 verlängern. Am liebsten sogar gleich bis 2031. Doch darauf würde sich Flick nicht einlassen.

„Ich mag es unabhängig zu sein“, sagte der Trainer gestern und wollte vor dem Champions-League-Achtelfinalrückspiel gegen Newcastle United generell nicht über Vertragsangelegenheiten sprechen: „Nicht der Moment dafür“. Zu groß ist nach dem glücklichen 1:1 im Hinspiel der Respekt vor den robusten Engländern.

Ob es für sein Barça zum ersehnten Champions-League-Titel reicht, weiß auch er nicht. Doch in einer Hinsicht steht die Zukunft für ihn fest: „Das hier wird mein letzter Club und mein letzter Job sein.“FLORIAN HAUPT

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