Das deutsche Biathlon ist abgehängt. Nicht nur von den fast übermächtigen Teams aus Frankreich und Norwegen. Viel schlimmer wiegt, dass mittlerweile die Finninnen und die Tschechinnen den DSV-Frauen im Nacken sitzen. Noch liegen die Erbinnen von Franzi Preuß vorne – auf einem ohnehin recht peinlichen (aber wichtigen) fünften Platz.
Sollte Deutschland aus den Top 5 herausfallen, würde ein Startplatz wegbrechen. Es wäre ein GAU für das eigentlich so erfolgsverwöhnte deutsche Biathlon. Aber vielleicht muss es auch mal so sein, vielleicht wäre diese krachende Niederlage endlich ein Grund dafür, dass sich etwas grundlegend ändert.
Dass jetzt mit Bernd Eisenbichler als Sportdirektor ein neuer Alter kommt, hilft nicht. Von 2019 bis 2022 stand er schon einmal in der Verantwortung. Er konnte sich auf die beiden Ausnahmesportlerinnen Preuß und Denise Hermann-Wick verlassen. Aber in dieser Zeit zog Frankreich mit seinen Nachwuchsstrukturen gnadenlos vorbei und dominierte Olympia mit 13 (!) Medaillen. Zum Vergleich: Der DSV holte einmal Bronze. Vergleiche mit der Topnation wirken demoralisierend. Und es wird noch schlimmer: Im zweitklassigen IBU Cup stehen gleich fünf Französinnen an der Spitze der Gesamtwertung.
Ja, der DSV hat einige Talente: Selina Grotian (21), die heuer ein Seuchenjahr durchlebt, feierte bereits einen Weltcupsieg, schloss den Gesamtweltcup 24/25 auf Platz neun ab. Auch Julia Tannheimer (20) zeigt häufig ihre läuferischen Qualitäten – aber zu selten reicht es für gute, geschweige denn Top-Platzierungen.
Und dass Vanessa Voigt, die übrigens eine sehr ordentliche Saison hinlegt, oder Janina Hettich-Walz punktuell immer wieder nah ans Podium heranlaufen, täuscht nicht über die großen Lücken zur Weltelite hinweg. Treffend traurig ist die Aussage von Noch-Sportdirektor Felix Bitterling vor dem vergangenen Wochenende: „Eines der großen Ziele für die restliche Saison wird sein, Rang fünf im Nationen Cup zu verteidigen.“ Allein dieses Ziel ist ein Armutszeugnis!
Bei den Männern sieht es kaum besser aus. Philipp Nawrath kaschiert aktuell die Ergebnisse der sonst chancenlosen Mannschaft.