Wenn ein mögliches Duell mit Real Madrid winkt, sind die Reflexe der Branche stets dieselben. Der Ausdruck „La Bestia Negra“ darf nicht fehlen, die von Klaus Augenthaler anno dazumal gezeigten Stierhörner natürlich auch nicht. Und wer sich richtig gut auskennt, erzählt auch noch die Geschichte der „Trofeo Santiago Bernabéu“ – dem größten im Vereinsbesitz des FC Bayern befindlichen Pokal, der für die Heimreise aus Madrid 1979 sogar auseinandergebaut werden musste. All das ist schon am Mittwoch passiert. Obwohl die Bayern nach dem 6:1 im Achtelfinal-Hinspiel gegen Atalanta Bergamo nur theoretisch und noch nicht praktisch als nächster Real-Gegner feststanden, war der Kracher schon zum Greifen nah.
Bis zum späten Abend durfte man nur im Konjunktiv sprechen. Was aber schon sicher war und nach dem 4:1 zum sicheren Einzug ins Viertelfinale bleibt: dass große Mannschaften durch große Geschichten, Mythen und Statistiken miteinander verbunden sind – die für das Hier und Jetzt kaum mehr eine Rolle spielen. Über das Ergebnis eines teaminternen Wissenstests nach „Auges“ Stierhörnern würden Fußball-Nostalgiker wahrscheinlich den Kopf schütteln. Dafür haben die meisten Bayern noch das letzte Aufeinandertreffen mit Real im Kopf. Halbfinale 2024, „Abseits“-Tor durch Matthijs de Ligt in der Nachspielzeit, Wutrede von Thomas Tuchel. Übersetzt für die Gegenwart: Ab jetzt geht es in diesem Wettbewerb, in dem die Bayern groß träumen, um jedes Detail. Um Fitness, um Schiedsrichterentscheidungen, und, ja, auch um Glück.
Warum Vincent Kompany seit Saisonende auf genau diesen Umstand hinweist, haben die letzten Wochen gezeigt. Um tatsächlich ein ernsthaftes Wort um den ersten Henkelpott seit 2020 mitreden zu können, müsste einiges besser laufen als in diesem März. Ohne Frage, die Ergebnisse stimmten so gut wie immer. Aber die Muskeln zwickten auffallend oft, die Torhüter wurden sukzessive weniger – und Bergamo war nun auch nicht derselbe Gradmesser wie Madrid-Gegner ManCity. Die gute Nachricht allerdings: Auch das ist Schnee von gestern, wenn Real die „Bestia Negra“ mit Stierhörnern zum Viertelfinale bittet.