Ein Finale, zwei Verlierer: Der Streit um den Afrika Cup findet seine Fortsetzung nun wohl vor dem Sportgerichtshof CAS. © Youssef Loulidi/dpa
Dakar – Brahim Díaz lief über den Rasen des Etihad Stadium in Manchester, reckte die Daumen nach oben und strahlte über das ganze Gesicht, als er die freudige Nachricht bekam. Der Marokkaner hatte in diesem Moment nicht nur den Einzug mit Real Madrid ins Viertelfinale der Champions League klargemacht – er war ganz nebenbei auch Afrikameister geworden. Zwei Monate nachdem er den entscheidenden Elfmeter im Finale verschossen hatte.
Am Dienstagabend, noch während die Achtelfinalspiele der Königsklasse liefen, verkündete der afrikanische Fußballverband CAF überraschend auf seinen Kanälen: Das von Tumulten überschattete Endspiel des Afrika-Cups wird neu gewertet, Senegal der Titel nachträglich aberkannt und Marokko mit einem 3:0 mit Verspätung zum Sieger gekürt.
Der Aufschrei aus dem Senegal folgte prompt. Generalsekretär Abdoulaye Seydou Sow kündigte im staatlichen Rundfunk RTS an: „Wir werden unsere Anwälte einschalten und Rechtsmittel einlegen. Wir werden vor nichts zurückschrecken. Das Recht ist auf unserer Seite.“ Die Entscheidung sei eine „Schande für Afrika“. Die senegalesische Tageszeitung Le Soleil nannte sie sogar den „Witz des Jahrhunderts“.
Aus der Mannschaft selbst kam Spott. Senegals Spieler Pathé Ciss schrieb auf Instagram: „Den Heulsusen könnt ihr noch drei Tore geben.“ Idrissa Gueye postete: „Wir wissen, was wir an jenem Abend in Rabat erlebt haben. Und das kann uns niemand nehmen.“ Und die Marokkaner? Gaben sich auffallend zurückhaltend.
Doch wie konnte es dazu kommen? Die Szenen des Finals vom 18. Januar liegen zwar schon einige Wochen zurück, dürften aber vielen in Erinnerung geblieben sein. Auslöser des Skandals war, dass sich Senegal gleich doppelt benachteiligt fühlte. In der Nachspielzeit hatte Schiedsrichter Jean-Jacques Ndala (DR Kongo) den vermeintlichen Führungstreffer der Gäste wegen eines umstrittenen Fouls aberkannt. Als er kurz darauf nach VAR-Check einen Strafstoß für Marokko gab, eskalierte die Lage.
Einige Fans warfen Gegenstände und versuchten, auf den Rasen zu gelangen, während Senegals Trainer Pape Thiaw sein Team in die Kabine schickte. Erst rund 15 Minuten später konnte Marokkos Star Díaz zum Elfmeter antreten. Er vergab, in der Verlängerung schoss Pape Gueye Senegal schließlich zum Sieg – vorerst.
Die CAF wertete das Verhalten der senegalesischen Spieler vor dem Diaz-Strafstoß nun als Verstoß gegen die Artikel 82 und 84 und gab dem Einspruch des marokkanischen Verbandes statt. Vorerst.SID