Letzter Erfolg in Madrid: 2012 unter Heynckes. © imago
Letzte Pleite in Madrid: De Ligt als Hauptfigut 2024. © IMAGO
Weiter, immer weiter: Kompany treibt an. © AFP
Sehen so Favoriten aus? Zumindest kommen die Bayern nach dem 10:2 gegen Bergamo mit viel Selbstvertrauen nach Madrid. © Feil/IMAGO
München – Für einen kurzen Moment fühlte sich Max Eberl in der Nacht zum Donnerstag noch mal zurückversetzt an diesen Frühlingstag im Mai 2024. „Das waren mit meine ersten K.o.-Spiele beim FC Bayern“, sagte der Sportvorstand des FC Bayern nach dem erfolgreichen Einzug ins „würdige“ Viertelfinale der Champions League über das bis dato letzte Aufeinandertreffen mit Real Madrid – und Zufall war es nicht, dass seine Miene sich dabei verfinsterte. Nur einen nicht gegebenen Treffer in der Nachspielzeit waren die Bayern damals bekanntlich entfernt vom ersten Weiterkommen gegen Real seit 2012 (!), den nächsten Anlauf darf man heuer nehmen. Das Motto für die beiden Festtage am 7. April in Madrid und acht Tage später in München: „Es wird Zeit!“
Eberl und CEO Jan-Christian Dreesen sprachen den Satz unisono aus, als sie noch unter den Eindrücken des 4:1 (1:0) im Achtelfinal-Rückspiel gegen Atalanta Bergamo standen. Denn dieser Abend hatte – obwohl die Sache nach dem 6:1 im Hinspiel klar war – regelrecht beschwingt. „Mit Bravour“ habe das Team von Vincent Kompany um die Torschützen Harry Kane (20./54.), Lennart Karl (56.) und Luis Diaz (70.) die Aufgabe gelöst, Dreesen dachte schon weiter: „Das schafft eine Menge Vertrauen für die nächsten Spiele.“ Damit meinte er nicht Union Berlin am Samstag (15.30 Uhr) oder die Generalprobe am Oster-Samstag beim SC Freiburg. Sondern das „epische Duell“, das danach ansteht.
Die Bayern treten selbstbewusst an, obwohl die Bilanz der einstigen „Bestia negra“ seit 14 Jahren verheerend ist. In neun Spielen gab es sieben Pleiten und zwei Unentschieden, seitdem sich die von Jupp Heynckes (!) trainierte Mannschaft im Halbfinale 2012 im Elfmeterschießen ins „Finale dahoam“ ballerte. Auch für 2026 erwartet Kane „einen Kampf“, aber der Torjäger sagte auch: „Wir haben vor niemandem Angst!“ Kompany sah man die Vorfreude auf ein „echtes Spitzenspiel“ schon mit dem Vorlauf von drei Wochen an. Weil die Bayern nach der bis dato fabelhaften Champions-League-Saison Favorit sind?!
Der Coach gab die diplomatische Antwort: „Bei beiden Vereinen ist alles großartig. Es ist nicht wichtig, wer momentan die bessere Mannschaft ist.“ Eberl erwartet „ein Spiel auf Augenhöhe von zwei großartigen Vereinen“ – und er weiß wie alle anderen, dass Real „meistens da ist, wenn es drauf ankommt“. So geschehen im Achtelfinale gegen ManCity, so auch bei den bisher 15 Champions-League-Titeln. Den 16. wollen die Bayern nun verhindern.
Dass sie das Zeug dazu haben, war am Gegner Bergamo nicht messbar. Dass der Hunger aber da ist, schon. Zufall war es nicht, dass Gäste-Trainer Raffaele Palladino sagte: „Wir haben gegen die beste Mannschaft der Welt gespielt.“ Und das, obwohl Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Michael Olise gar nicht dabei waren.
Sie alle sollen im „heißen April“ (Eberl) wieder da sein – und alle anderen auch. Nicht ganz ohne Sorge blicken die Verantwortlichen daher auf die anstehende Länderspielpause. Die Verletzungsmisere aus derselbe Abstellperiode im Vorjahr nannte Eberl den „casus knacksus“ für das damalige Aus im Viertelfinale gegen Inter Mailand. Aber heuer soll bekanntlich alles anders laufen. Zur Erinnerung: Zeit wird‘s!H. RAIF, V. TSCHIRPKE