INTERVIEW

„Hass kann Sportler zerstören!“

von Redaktion

1860-Allrounder Rittmüller über Kampfgeist, negative Kritiken und Zutaten eines Aufstiegsteams

Mit Leidenschaft und taktischer Flexibilität: Außenbahn-Allrounder Marvin Rittmüller. © Axel Kohring / Imago

München – Ob links oder rechts – Marvin Rittmüller hat sich beim TSV 1860 durchgesetzt, ist meistens gesetzt auf der Außenbahn. Nach knapp sieben Monaten bei den Löwen weiß der 27-Jährige: In Giesing ist immer was los. Wie man mit positiven wie negativen Ausschlägen umgeht und wie er die Chancen der Sechzger im Aufstiegsrennen sieht, verrät Rittmüller imn unserem Interview.

Sie sind mit Heidenheim aufgestiegen. Haben sich die Mitspieler schon Tipps abgeholt?

Ich war beim Heidenheimer Aufstieg dabei, habe aber nicht allzu viel gespielt in dieser Saison. Ich glaube, wenn sich Jungs für spezielle Situationen Tipps holen, gehen sie eher zu Kevin Volland oder Florian Niederlechner.

Kurz gefragt: Was braucht ein Team, um aufzusteigen?

Leidenschaft und Intensität sind die Grundtugenden. Dazu gehört auch zwingend ein enormer Zusammenhalt vom gesamten Verein – gerade, wenn es mal zu Rückschlägen kommt. Für uns ist es wichtig, den Rückhalt der Fans zu spüren, auch wenn es mal nicht perfekt läuft.

Sie sind auf der rechten Seite daheim, spielen bei den Löwen aber derzeit Linksaußen…

Das ist mir nicht wichtig. Ich mag es, links zu spielen und meinen starken Fuß innen zu haben. In den letzten drei Spielen habe ich das defensiv gut gemacht. Offensiv habe ich Luft nach oben. Da bin ich sehr kritisch mit mir. Meine größte Stärke ist es, dass ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann.

Man hört derzeit oft, dass die Löwen „erwachsen“ Fußball spielen. Was bedeutet das genau?

Wir nehmen die Robustheit dieser Liga an. Da ist nicht immer der schönste Fußball erfolgreich – es zählt die geschlossene Mannschaftsleistung. Man kann Fehler machen und die Mannschaft bügelt diese wieder aus.

Die Fans honorieren die Leidenschaft des Teams aktuell extrem…

Ich definiere mich über den Willen. Es tut gut, dass die Fans so etwas feiern. Als Spieler in diesem Verein muss man lernen, mit den Extremen umzugehen. Die Ausschläge nach oben und unten sind extrem.

Wie gehen Sie mit Hass-Kommentaren auf Social Media um?

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mich das nicht berührt. Man muss sich damit abfinden, dass wir in einer Zeit leben, in der dich viele Leute bewerten. Wir als Sportler müssen damit umgehen, sind Personen des öffentlichen Lebens.

Zuletzt haben sich bei Olympia Sportler aus den sozialen Netzwerken zurückgezogen, nachdem sie dort übel attackiert wurden…

In der einen Woche bist du der Held, in der nächsten der Depp. Die Menschen müssen verstehen, dass Sportler auch Menschen sind, die an Hass auch kaputtgehen können. Daher sollte sich jeder selbst reflektieren, ob es zwingend nötig ist, was geschrieben wird. Die einen schaffen es, sachlich zu bleiben – die anderen nicht.

Zurück zum Sportlichen: Neun Spiele noch, die Löwen sind im Aufstiegskampf dabei.

Zu Beginn der Rückrunde hatten die wenigsten an uns geglaubt. Jetzt sind wir wieder voll dabei nach der Serie mit fünf Siegen und einem Unentschieden. Dieser Beruf ist so schnelllebig – und diese Liga noch mal doppelt so schnelllebig. Uns stehen spannende Spiele bevor.

Am Sonntag geht‘s nach Duisburg. Ein Auswärtssieg bei einem Topteam fehlt 1860 noch…

Wir merken es bei uns im Grünwalder: Solch ein Stadion kann dich als Heimteam tragen. Da merkt man als Spieler, wie man in einen Flow kommt. Und diesen Flow gilt es zu brechen. Auf der anderen Seite musst du die wenigen Chancen in diesen Topspielen eiskalt ausnutzen.

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