Ungewohnter Jubel: Gegen Frankfurt erzielte Sinn sein erstes DEL-Tor. © City-Press
München – Am späten Freitagabend, die größte Euphorie nach dem 10:1 über Straubing ebbte langsam ab im SAP Garden, da dachte Phillip Sinn an früher. Und irgendwie ist dem Youngster da aufgegangen, dass er gleich zwei außergewöhnliche Momente seines Clubs selbst miterlebt hatte. Den höchsten Sieg, aber eben auch die deftigste Niederlage. Ein 0:9 war das, im Oktober 2013 in Mannheim. Was den damals zehnjährigen Phillip allerdings nicht allzu sehr traf.
Er stand ja auch noch auf der Seite des Siegers. Stand in der Fankurve der Mannheimer Adler. „Mit allen Konsequenzen“, wie er mit einem Grinsen sagt. Kaum überraschend, Mannheim ist seine Heimatstadt, der Mannheimer ERC war sein Club. Bis der junge Verteidiger mit 14 an die Red-Bull-Akademie nach Salzburg wechselte. Auf Betreiben von deren Chef Helmut de Raaf. Die einstige Torhüterlegende kannte die Sinns, er machte der Familie das Eliteinstitut schmackhaft.
Natürlich brachte der Wechsel ins ferne Österreich für einen 14-Jährigen auch Härten mit sich. „Aber ich habe die Akademie gesehen und mich sofort verliebt“, sagte er. Und nicht nur das: „Ich weiß nicht, ob ich heute Profi wäre, wenn ich in Mannheim geblieben wäre.“ Tendenz: Eher nicht.
Was ihn restlos überzeugte, war die geballte Expertise. Der Trainerstab, der aus dem Talent Sinn in jeder Hinsicht den Jungprofi machte. Leute wie Ex-NHL-Profi Brian Rafalski, der „mir völlig neue Perspektiven im Übergang zum Profi aufgezeigt hat“ Der Einstieg ins Salzburger Profiteam fiel ihm leicht. Zumal bei Red Bull auch der Nachwuchs schon durchgängig im selben System geschult wird. Und so durfte Sinn schon zweimal erleben, wie sich eine Meisterschaft anfühlt. Oder genau genommen gleich vierfach. Denn mit Salzburg gewann er nicht nur die übernationale ICE-Liga – das beste österreichische Team ist ganz nebenbei auch Austrias Meister. „Du merkst irgendwann, wie du auf eine Welle kommst, die dich dann einfach mitnimmt. Das ist unbeschreiblich“, sagte er, „ich bin süchtig nach diesem Gefühl.“
Er will es wieder erleben. Am liebsten schon in ein paar Wochen, wenn die DEL ihren Champion kürt. Sinn ist auch beim EHC längst mittendrin, daran könnte auch eine zwischenzeitliche Verletzung nicht viel ändern. Wofür es sicher nicht schadete, dass Trainer Oliver David den Schritt nach München gleich mitmachte. Der kommunikative Kalifornier hat ihn sehr gefördert. „Er ist sehr offen, ein positiver, lustiger Typ“, sagte Sinn.
Kürzlich gegen Frankfurt steuerte Phillip Sinn mit einem satten Schuss von der blauen Linie sein erstes DEL-Tor bei. „Erleichternd“, fand er das. Mehr kann in den Playoffs gerne kommen. Die für ihn und seine Münchner lange dauern sollen. Und irgendwann soll es gegen Mannheim gehen: „Das wäre überragend.“PATRICK REICHELT