Urbigs Weg zur Nummer anderthalb

von Redaktion

Von wegen Brummschädel: Bayern-Torwart überzeugt – und feiert nun DFB-Debüt

Kein Durchkommen: Urbig – acht Tage nach Gehirnerschütterung stark gegen Pasalic. © Ruiz

München – Man merkt Jonas Urbig noch an, dass er mit öffentlichen Aussagen sehr vorsichtig ist: Auch, wenn bereits während der Partie gegen Atalanta Bergamo herauskam, dass der Keeper erstmals von Julian Nagelsmann für die Nationalelf nominiert wurde, wollte Urbig im Anschluss nichts Falsches sagen.

„Ich habe noch nicht auf mein Handy geguckt“, erklärte er gleich nach Abpfiff bei DAZN. Und auch, als es die Reporter in der Mixed Zone mit gewiefteren Fragen versuchten („Was machst du in der Länderspielpause?“), blockte Urbig professionell ab: „Ich würde lieber über das Spiel sprechen.“ Schließlich gab es von dieser Partie genug zu erzählen: Nach seiner Gehirnerschütterung bangte der FC Bayern eine Woche lang, ob die Zeit für ein Comeback Urbigs reicht. Erst am Spieltag wurde klar, dass der 22-Jährige auflaufen kann – und er untermauerte mit einer starken Leistung und mehreren Paraden seinen Status, als verlässliche Option selbst auf größter Bühne Manuel Neuer zu vertreten.

Nun führt Urbigs Weg also auch zur Nationalmannschaft, und dieser steile Aufstieg ist durchaus bemerkenswert: Wechselte Urbig erst vergangenen Januar als designierte Nummer zwei nach München, kommt er in den knapp 13 Monaten bereits auf 25 Pflichtspieleinsätze im Bayerntor. Dabei „halfen“ natürlich auch Neuers Verletzungen, gleichzeitig glänzte Urbig mit Konstanz: Wenn er die Chance bekam, überzeugte er auch in den allermeisten Fällen.

Und im Gegensatz zu anderen ambitionierten Keepern, die sich bereits an der Nachfolge Neuers versuchten, erklärte Urbig von Beginn an auch öffentlich, seine Rolle als Nummer zwei (oder inzwischen: anderthalb) zu kennen und anzunehmen. So harmonierte es von Beginn an im Torwartteam – was angesichts von Neuers Standing beim Rekordmeister ein nicht zu unterschätzender Faktor ist. Über die letzten eineinhalb Jahre sagte er am Mittwoch: „Ich bin bei Bayern supergut aufgenommen worden. Auch hier habe ich schon meinen Weg gemacht.“

Daher ist es nur logisch, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann auch beim DFB und mit Blick auf die WM einen Torwart dabeihaben will, der da ist, wenn er gebraucht wird – und für keinen Ärger sorgt, wenn nicht. Kommunikative Fehltritte wird Urbig sich nämlich nicht leisten. Das zeigte schon die Nominierung.V. TSCHIRPKE, H. RAIF

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