Sieg im Gesamtweltcup? Aicher muss 140 Punkte auf Shiffrin aufholen. © Trovati/dpa
Lillehammer – Vor wenigen Tagen zog Emma Aicher noch symbolisch den Hut vor Ski-Star Mikaela Shiffrin – die Amerikanerin gab Lob und Anerkennung aber prompt zurück. Im prickelnden Generationenduell um den größtmöglichen Erfolg um Weltcup, den Sieg in der Gesamtwertung, sagte Shiffrin über ihre deutsche Rivalin: „Um ehrlich zu sein: Sie verdient das wirklich.“
Es winkt ein ski-historischer Coup: Aus Deutschland hatten bislang nur Rosi Mittermaier (1976), zweimal Katja Seizinger (1996/1998) sowie zuletzt Maria Riesch 2011 in den Gesamtwertungen triumphiert. Aber keine von denen war bei ihren Siegen so jung und unerfahren wie die 22-jährige Aicher. „Dass ich hier stehen kann, und sagen kann, dass ich im Kampf dabei bin, das ist schon riesig für mich“, sagte Aicher zuletzt im ORF und erinnerte: „Vor einem Jahr war ich ja noch nirgends im Vergleich. Ich bin schon sehr stolz, dass das so ist.“
Aichers Potenzial erkannten die Bosse und Trainer des Deutschen Skiverbands (DSV) zwar schon 2020. Damals holten sie die gebürtige Schwedin zu sich und nahmen sie als Teenagerin ohne Weltcup-Start gleich mit zur WM nach Cortina d’Ampezzo. Dort jubelte sie prompt über Bronze im Teamevent – seitdem geht es steil bergauf für die Tochter einer Schwedin und eines Deutschen.
„Das ist schon beeindruckend“, lobt Cheftrainer Andreas Puelacher. Der erfahrene Coach sieht zwar auch schon seit Jahren, mit welchem Skigefühl und welcher Lernbereitschaft Aicher ausgestattet ist. Und dass sie perspektivisch um die Gesamtwertung mitfahren kann, das war ebenso der Plan mit ihr – schließlich ist sie die einzige im Weltcup, die alle vier Disziplinen bestreitet.
Erste drei deutsche Frauen ganz oben
Von einem Shiffrin-Duell um die große Kugel schon in dieser Saison aber hatte selbst Puelacher nicht zu träumen gewagt. Vor dem Weltcup-Finale von Lillehammer wird nun fleißig gerechnet. Ehe es auf der Piste von Kvitfjell am Samstag in die Abfahrt und am Sonntag in den Super-G geht, hat Aicher 140 Zähler Rückstand auf Shiffrin. Die Amerikanerin verzichtet auf die Abfahrt – da müsste Aicher also idealerweise siegen, um bis auf 40 Zähler an ihre Gegnerin heranzukommen.
Wie das geht, das weiß sie: Just bei der Abfahrt von Kvitfjell gewann Aicher 2025 ihr erstes Weltcup-Rennen. Ganz nebenbei kann sie da auch noch die Disziplinwertung für sich entscheiden.
Am Dienstag und Mittwoch stehen Slalom und Riesenslalom in Hafjell an. Dort ist dann zwar Shiffrin wieder favorisiert – allerdings konnte Aicher zuletzt in Are im Slalom mit Platz zwei hinter der Amerikanerin den Druck hochhalten.DPA