ZUM TAGE

Der Wille zum Neuaufbau

von Redaktion

Kehl-Aus beim BVB

Man stelle sich mal vor, der FC Bayern hätte diesen Schritt irgendwann im Vorjahr vollzogen. Ein Last-Minute-Sieg am Samstag, eigentlich alles in Ordnung. Und am Sonntagmittag gegen 12.30 Uhr wird die Meldung „FC Bayern und Max Eberl beenden Zusammenarbeit“ verschickt. Der Vorgang hätte ein mittelschweres Beben im deutschen Fußball ausgelöst – und sagen wir mal so: Stand heute ist es gut, dass er nie vonstattengegangen ist. Die Kompany-und-Eberl-Bayern verzücken. So schnell kann‘s gehen.

Nun ist München nicht Dortmund und der FC Bayern nicht der BVB – in der öffentlichen Wahrnehmung und der fußballerischen Qualität liegen Welten zwischen den beiden Clubs. Was sie aber eint, ist ein internes Klima, in dem das Wort „Stallgeruch“ eine große Rolle spielt. Es bringt naheliegende Vorteile mit sich – wie die Kenntnis aller Strukturen und Strömungen im Verein. Es bringt aber auch eine Menge Nachteile mit – wie durch Machtspiele bedingte fehlende Möglichkeiten zur freien Entfaltung. Dass auch Sebastian Kehl diesen bei Schwarz-Gelb zum Opfer gefallen ist, war am Sonntag keine Neuigkeit. Dass er deswegen aber mitten in der Saison nach vier Jahren im Amt den Hut nehmen muss, kam doch unverhofft daher. Zumindest im ersten Moment.

Kehl und Dortmund – das gehörte und gehört zusammen. Aber genau das dachte man einst auch über Oliver Kahn und den FC Bayern. Die Münchner zogen die Reißleine, als das Gesamtkonstrukt sich endgültig in die falsche Richtung entwickelte, Dortmund macht nun nichts anderes. Denn so sympathisch Kehl ist: Ein Blick auf den Ist-Zustand des BVB zeigt die Notwendigkeit für einen neuen Kurs.

Mit den Über-Bayern kann man nicht mithalten, für den Rest der Liga ist man zu stark. Also ist es doch längst überfällig, den Angriff nach vorn zu starten, anstatt sich nach fünf titellosen Jahren mit der Rolle zu begnügen. Intern mag das nicht nur populäre Entscheidungen nach sich ziehen, für die Bundesliga ist der Wille des BVB zur Erneuerung aber eine gute Nachricht. Auch für die Münchner und Eberl übrigens. Man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben.

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