Bye, bye, BVB: Sebastian Kehl. © Fassbender/AFP
Schuss ins Glück: Bensebainis zweiter Strafstoß zum 3:2 (84.). © Neundorf/EPA
Der Ausgleich: Serhou Guirassy köpfte das 2:2 für den BVB. © Neundorf/EPA
Anschluss: Ramy Bensebainis erste Elfmetertreffer zum 1:2 (73.). © Thissen/dpa
Albert Sambi Lokonga zum 2:0 (38.) – der HSV führte zur Halbzeit. © Thissen/dpa
1:0 für Hamburg: Philip Otele (re. 19. Minute) ließ die Bank jubeln. © Kraft/AFP
Dortmund – Niko Kovac hatte sich längst wieder beruhigt. Doch bei seinem Statement zu diesem vogelwilden 3:2 (0:2) gegen Aufsteiger Hamburger wurde der BVB-Coach dann etwas kritischer. Eine Leistung wie in der zweiten Halbzeit „hätte ich mir von der ersten Minute an gewünscht“, sagte der Trainer. Dank der deutlichen Steigerung sei Dortmund zwar „verdient als Sieger vom Platz gegangen“ und das Fazit „Ende gut, alles gut“ angemessen, doch die zwei Gesichter gaben Kovac dann doch Rätsel auf.
Seine Halbzeitansprache sei „deutlich“ gewesen, sagte er: „Von Sternzeichen bin ich Waage und eigentlich sehr ausgeglichen. Nur wenn die Waage kippt, dann kippt sie.“ Dies war dringend nötig, denn im ersten Durchgang hatte der BVB schwach gespielt und lag nach Treffern von Philip Otele (19.) und Albert Sambi Lokonga (38.) zurück. Doch dann drehte Dortmund auf. Ramy Bensebaini mit zwei verwandelten Elfmetern (73., 84.) und Serhou Guirassy (78.) sorgten noch für ein versöhnliches Ende.
„Was wir in der zweiten Halbzeit gezeigt haben, war richtig, richtig stark. Wir haben Hamburg an die Wand gespielt“, lobte Sebastian Kehl. Wenige Stunden später trennte sich der BVB von seinem Sportdirektor – „einvernehmlich“ und mit sofortiger Wirkung. Im Sommer sei „der richtige Zeitpunkt für Veränderungen gekommen“, sagte Sport-Geschäftsführer Lars Ricken. Ein Umbruch bevor. Unter anderem Julian Brandt, Niklas Süle und Salih Özcan werden den Klub verlassen, Felix Nmecha verlängerte seinen Vertrag (bis 2030). Eine Entscheidung in der Causa Nico Schlotterbeck steht aus.
Kurios: Der BVB spielt mit einem Punkteschnitt von 2,3 pro Spiel eine herausragende Bundesliga-Saison, hat aber wegen der Dominanz von Bayern München keine Chance auf den Titel. Im DFB-Pokal und in der Champions League ist Dortmund allerdings bereits früh ausgeschieden, insbesondere in der Königsklasse wurde das Team den hohen Erwartungen nicht gerecht.
Der BVB habe „mich mein halbes Leben begleitet und ich habe eine extreme Verbundenheit. Trotzdem haben wir nun gemeinsam das Gefühl entwickelt, dass es an der Zeit ist, neue Wege zu gehen – sowohl für den BVB als auch für mich“, sagte Kehl, der als Spieler 13 Jahre in Dortmund verbracht hatte. Zuletzt gab es Gerüchte über ein mögliches Engagement des 46-Jährigen als Sportvorstand – ausgerechnet beim Hamburger SV. Die Hanseaten hatten an der verspielten Führung zu knabbern. „Am Ende waren es zu viele kleine Fehlern von uns“, sagte Mittelfeldspieler Miro Muheim bei Sky. „Wenn du drei Elfmeter gegen dich kriegst, dann kannst du so ein Spiel halt nicht gewinnen.“ Wenn Dortmund als neuen Sportdirektor gewinnen könnte? Markus Krösche, der bei Eintracht Frankfurt (Vertrag bis 2028) höchst erfolgreich arbeitet, gilt als Kandidat. „Ich bin kein Typ, der jetzt irgendwie die nächsten Schritte plant. Und ich bin total gerne bei Eintracht“, sagte er am Samstagabend dem ZDF. Da war Kehl aber auch noch in Amt und Würden – zumindest offiziell.SID