Harry Kane traf gegen Union Berlin „nur“ einmal – den Lewandowski-Rekord behält er dennoch im Blick. © Hildenbrand/AFP
So sieht Zufriedenheit aus: Bayern-Trainer Vincent Kompany. © Hoermann/Imago
Michael Olise nimmt Maß – da kann Tormann Frederik Ronnow nur hinterschauen. © Feil/Imago
München – Dass das Vereinsmuseum des FC Bayern bis zum Herbst umfassend umgebaut wird, trifft sich bestens. Denn auch wenn es natürlich Zufall ist: ein zentrales Element der Ausstellung wird in Kürze nicht mehr ganz aktuell sein. 101 Bälle hängen dort von der Decke – sie stehen symbolisch für den seit 54 (!) Jahren bestehenden Tor-Rekord, der in der Bundesliga-Saison 1971/72 aufgestellt wurde. Lange dachte man, es sei einer für die Ewigkeit – aber spätestens seit dem 4:0 (2:0) am Samstag gegen Union Berlin ist klar, dass er das nicht ist. Wer nach 27 Spieltagen bei 97 Treffern steht, dürfte am Ende bei etwa 122 raus kommen. So zumindest die Hochrechnung, sollten die Baller-Bayern ihren Schnitt beibehalten.
„Die Ausbeute ist unglaublich. Und heute wären noch zwei, drei mehr drin gewesen“, sagte Sportdirektor Christoph Freund nach dem wettbewerbsübergreifend sechsten Heimsieg hintereinander – damit hatte er recht. Denn obwohl die Bayern die Partie gegen den Underdog mit Treffern von Serge Gnabry (2), Harry Kane und Michael Olise dominierten, hätte das Ergebnis noch deutlich höher ausfallen können. Am Ende: geschenkt! Denn jeder weiß, was auch erstmals von Freund ausgesprochen wurde: „Der Rekord wird fallen!“ Und zwar, weil das, was diese Bayern-Mannschaft unter Vincent Kompany da gerade erlebt, „einfach etwas ganz Besonderes ist“.
Als „verrückt“ bezeichnete auch Kapitän Joshua Kimmich die bisherige Ausbeute – und versprach: „Wir geben weiter alles.“ Vielleicht wird es schon am Oster-Wochenende in Freiburg so weit sein, vielleicht in der Woche danach beim FC St. Pauli. Gnabry schaute zumindest schon verschmitzt, als er sagte: „Mal schauen, wie weit wir ihn noch nach oben schrauben können.“ Ein Nachlassen zumindest kann man sich bei diesem Bayern-Team trotz weiterhin neun Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze nicht vorstellen. Das nicht mehr ganz so geheime Rezept für die Dominanz dieser Spielzeit verriet Kimmich: „Wir können aus jeder Phase des Spiels Tore machen. Wir können Konter, Standards, Ballbesitz, Schnellangriff.“ Keine schlechte Voraussetzung, um in die Crunchtime zu gehen.
Dass man zudem das erste Mal seit November 2025 (!) in der Liga daheim zu null spielte, kam am Samstag noch hinzu. „Erschreckend“ fand Kimmich die Gegentor-Flut der letzten vier Monate und sagte: „Da müssen wir uns verbessern.“ Weil zumindest aber auf die Offensive immer Verlass war, fielen die Treffer hinten nur selten ins Gewicht. Allen voran Kane, der nun bei 31 Saisontreffern – und damit genau so vielen wie Union Berlin – steht, traf und traf. Gegen Union gelang das nur einmal, daher war der Engländer der einzige, der mit einem nicht ganz so guten Gefühl in die Länderspielpause ging. „Ein paar Stunden“, gab er zu, werden ihn die diversen vergebenen Chancen schon beschäftigen: „Aber so ist das Leben eines Stürmers.“
Immerhin kündigte er für danach an, die 41-Tore-Marke von Robert Lewandowski nach wie vor im Visier zu haben. Seine Rechnung: „Ein Hattrick, ein paar Doppelpacks in der Reihe. Mal sehen, ob ich in Freiburg weitermachen kann.“ Schlecht fürs Selbstvertrauen wäre das vor der Reise nach Madrid freilich nicht.
„Irgendwann ist es an der Zeit“, sagte Kimmich mit Blick auf das Duell mit Real im Champions-League-Viertelfinale. Und wenn das Museum eh umgebaut wird… nun ja: für einen Henkelpott ist sicher noch Platz.H. RAIF