Emma Aicher (r.) und Kira Weidle-Winkelmann wurden vom gesamten Team gefeiert. © Trovati/DPA
Kvitfjell – Mit dem Verlust von Punkten und Pokalen hielt sich Emma Aicher nicht allzu lange auf. Die kleine Weltcupkugel war weg, der Weg zur großen ist sehr weit geworden – für die zweifache Olympiazweite und ihre Teamkollegin Kira Weidle-Winkelmann war dies aber kein Grund, Trübsal zu blasen. Schon nach der letzten Abfahrt der Saison ließen sich beide von Trainern und Betreuern auf die Schultern heben, ausgelassen wurden Trophäen und Medaillen bejubelt.
„Ich bin sehr zufrieden“, betonte Aicher, „ich habe schon vor dem Wochenende gesagt: Alles, was noch passiert, ist ein Bonus. Vor dieser Saison war ich ja nirgends.“ Der Bonus hätte die kleine Kristallkugel als Beste in der alpinen Königsdisziplin sein können, doch spätestens als Aicher die Medaille für die Zweitplatzierte der abschließenden Weltcupwertung um den Hals gehängt wurde, machte sie klar: Auch mit diesem Silber kann ich sehr gut leben.
Es gebe ja außerdem „Wichtigeres, als alles zu gewinnen“, sagte Aicher im ZDF. Tatsächlich aber fehlt der 22-Jährigen nur noch die Konstanz, um Weltcupkugeln zu gewinnen, so etwa im Super-G: Von den acht Rennen der Saison gewann sie zwei, einmal wurde sie Zweite, sie schied aber auch dreimal aus. Das reichte nach Platz vier im Finale aber immer noch zum glanzvollen dritten Weltcuprang hinter Sofia Goggia (Italien) und Alice Robinson (Neuseeland).
Im Kampf um den Gesamtweltcup hat Aicher den Rückstand auf Mikaela Shiffrin (USA) in den Speedrennen noch einmal auf 45 Punkte verkürzen können. Im norwegischen Hafjell stehen am Dienstag und Mittwoch der letzte Riesenslalom und der letzte Slalom der Saison auf dem Programm – in beiden Disziplinen ist Shiffrin allerdings stärker einzuschätzen als ihre Verfolgerin im Rennen um die große Kristallkugel.
Der Rückstand zu Shiffrin könnte zehn Punkte geringer sein, Rang drei im Super-G aber verfehlte Aicher um eine Hunderstel hinter Teamkollegin Weidle-Winkelmann. Weshalb sie auch bekannte, „nicht wirklich zufrieden“ zu sein mit „meinem Skifahren“. Weidle-Winkelmann feierte dafür nach Rang drei in der Abfahrt am Vortag ihre erste Podestplatzierung im Super-G – und die vierte im bislang erfolgreichsten Winter ihrer Karriere. „Was für ein Saisonende“, sagte sie erfreut.
Auch Aichers Saison ist schon jetzt mehr als bemerkenswert – auch wenn sie durch Rang fünf in der letzten Abfahrt am Samstag den Sieg in der Disziplinwertung verpasste – um 83 Punkte hinter Laura Pirovano aus Italien, die in Kvitfjell zum dritten Abfahrtssieg in Serie fuhr. „Die Lolli“, sagte Aicher, habe die kleine Kugel deshalb „verdient, das passt schon“. Ihre herzliche Umarmung für Pirovano war Ausdruck ihrer ehrlich gemeinten Anerkennung. Am Sonntag wiederholten sich dann die Bilder. Weidle-Winkelmann bekam einen Pokal für Platz drei, Aicher eine weitere Medaille für Platz drei im Super-G-Weltcup. Bei den Männern feierte Dominik Paris einen Doppelsieg, Simon Jocher wurde im Super-G immerhin 14.DPA