War‘s das schon, Löwen?

von Redaktion

1860 ist in Duisburg lange die bessere Mannschaft – und verliert dennoch mit 1:2

Biss und Wille: Joshua Bitter, Schütze des Duisburger Führungstreffers © IMAGO/Revierfoto

Überragender Keeper – gestern allerdings zweimal überwunden: Thomas Dähne im emotionalen Spitzenspiel. © IMAGO / Adrian Schlüter

Duisburg – Einen Dreier vorlegen – und dann genüsslich zuschauen, wie die Konkurrenz patzt. Mit dieser Taktik hatten sich die Löwen gegen Ende des Winters an die Aufstiegsplätze herangepirscht. Am ersten Frühlingswochenende lief es anders: Rostock, Verl und Osnabrück legten Siege vor und erhöhten den Druck auf TSV 1860 und MSV Duisburg. Verlieren war definitiv verboten.

Die Gastgeber hielten dem Druck besser stand. Sie kamen zwar schwer ins Spiel, steigerten sich aber – und siegten durch ein Last-Minute-Tor mit 2:1 (0:0). Bitter für die Löwen: Sie verloren nicht nur die Punkte, sondern auch Thore Jacobsen. Der Kapitän, der per Strafstoß zum zwischenzeitlichen 1:1 getroffen hatte, sah in der hektischen Schlussphase die Rote Karte und fehlt nun an Karsamstag im Heimspiel gegen Mannheim. War’s das schon im Aufstiegskampf?

Der Frust im 1860-Lager war riesig. „Das tut so weh, hier zu verlieren“, haderte Siemen Voet. „Wir müssen das Spiel schon vor der Pause entscheiden. Später bekommen wir Scheißgegentore.“ Trainer Markus Kauczinski blieb nüchtern: „Wir waren einfach nicht cool genug.“ Kevin Volland fand ähnliche Worte: „Wir waren heute definitiv nicht die schlechtere Mannschaft. Wir müssen cleverer werden.“

Wie angekündigt hatte Kauczinski sein Team ein wenig umgekrempelt. Neben Kapitän Jacobsen (zuletzt gelbgesperrt) rückten Clemens Lippmann und Justin Steinkötter ins Team. Ihr Auftrag: dem zuletzt ausrechenbar gewordenen Angriffsspiel eine frische Note verleihen, speziell über links.

Zunächst dominierten die Defensivreihen. Beide Mannschaften starteten mit gebremstem Schaum – Motto: Safety first. Duisburg ging dabei auch mit dem 1:5-Rucksack von Rostock ins Spiel, die Löwen wiederum lauerten, gestützt auf ihre Betondefensive, auf Chancen.

Die kamen nach etwas mehr als einer halben Stunde. Zunächst fand Kevin Volland eine Lücke für einen seiner gefürchteten Steckpässe: Haugen, wohl etwas überrascht, ließ sich abdrängen (33.). Zwei Minuten später versuchte es Volland selbst – kerniger Linksschuss aus der zweiten Reihe. Vom Innenpfosten sprang der Ball zurück ins Feld. Schade für die Löwen – bis dahin das klar bessere Team. Konzentriert nach hinten, mit guten Ansätzen nach vorne. So konnte es nach der Pause weitergehen.

Duisburg kam allerdings besser aus der Kabine. Faßmann spielte schlampig hinten heraus, Noß ging dazwischen, legte ab für Krüger – doch der seit Wochen überragende Thomas Dähne rettete in höchster Not. Durchatmen bei den Löwen. Zeit zum Sortieren blieb kaum, denn der MSV hielt den Druck hoch. Trainer Didi Hirsch dürfte die MSV-Kicker an ihre starke Heimbilanz erinnert haben: zehn Siege, vier Unentschieden, noch keine Niederlage.

In der 60. Minute, ausgerechnet, klingelte es dann. Nach einer Ecke landete der Ball auf dem Rücken von Schlicke – Bitter reagierte am schnellsten und stocherte ihn im Liegen über die Linie. Das Ende der Löwen-Hoffnung? Nix da. Haugen kam im Strafraum zu Fall, Schiedsrichter Richard Hempel zeigte sofort auf den Punkt. Ein Fall für Kapitän Jacobsen: kein Panenka diesmal, sondern trocken und flach links unten rein.

Doch dabei blieb es nicht. Duisburg warf in der Schlussphase noch einmal alles nach vorne – und wurde belohnt. Der eingewechselte Töpken traf in der 90. Minute zum Sieg. Max Reinthaler ging hart mit sich und dem Team ins Gericht: „Vielleicht waren wir am Ende nicht mehr scharf genug.“

Noch acht Spiele bleiben. Viel Zeit ist nicht mehr – jetzt zählen nur noch Siege.ULI KELLNER

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